SOZIALWISSENSCHAFTEN
Wenn die Stadtgesellschaft in den Hörsaal kommtTransfertalk mit Nils Zurawski: Warum machen sie eigentlich Transfer?
7. April 2026, von WiSo-Fakultät

Foto: #uhhengagiert
„Wir haben die Welt in die Universität geholt.“
Im Gespräch mit dem Lehrenden Nils Zurawski aus dem Fachbereich Kriminologie, teilt er seine Erfahrungen aus der transferorientierten Ringvorlesung "Einfach mal die Welt retten?!". Wie Theorie und Praxis im Seminar vereint werden und welche Wirkung sich in diesem Zusammenspiel entfaltet, lesen Sie hier.
Kurzer Steckbrief zur Veranstaltung:
- Titel der Veranstaltung: Einfach mal die Welt retten?! Gesellschaftliche Diskurse und Praxisbeispiele rund ums Ehrenamt (Ringvorlesung)
- Anzahl Studis: 15-20
- Studiengang: Ringvorlesung, Studium Generale
- Lehrpersonen: Nadia Blüthmann (HUL); Dr. Eileen Lübcke (HUL); Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp (Politikwissenschaften); Dr. Nils Zurawski (Kriminologie)
- Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren: Seemannsmission, Feuerwehr, Aktivistin
- Transferorientierte Veranstaltungen: Besuch des Haus des Engagement, Einbidung zivilgesellscahftlicher Akteure
Warum machen Sie eigentlich Transfer?
„Ursprünglich habe ich eine Ringvorlesung zu Friedensbildung gehalten. So bin in Kontakt mit dem universitären Netzwerk #uhhengagiert gekommen, die die initiale Idee für die Veranstaltung hatten. Irgendwann kam die Frage auf, ob ich bei der neuaufgesetzten Ringvorlesung „Einfach mal die Welt retten“ mitmachen möchte. Da ich selbst zivilgesellschaftlich engagiert bin, habe ich die Einladung schnell angenommen.
Transfer ergibt sich für mich aus der Rolle der Universität in der Gesellschaft. Wir werden öffentlich finanziert, arbeiten an Themen mit gesellschaftlicher Relevanz und haben daher auch eine Verantwortung, etwas zurückzugeben. Universität ist heute mehr als reine Wissensproduktion – sie hat auch eine „Third Mission“, also den Auftrag, in die Gesellschaft hineinzuwirken.
Ich arbeite sehr gerne theoretisch, aber ich finde es ebenso wichtig und persönlich bereichernd, dieses Wissen in andere Kontexte zu bringen. Gerade in meinem Forschungsfeld der Sicherheit und Überwachung stoße ich ohnehin auf öffentliches Interesse. Warum sollte man dieses Wissen also nicht auch aktiv zugänglich machen. Transfer bedeutet für mich, diese Brücke zu schlagen und die Ergebnisse nicht nur innerhalb der Wissenschaft zu belassen.“
Worum ging es in der Lehrveranstaltung?
„In der Ringvorlesung „Einfach mal die Welt retten“ ging es um zivilgesellschaftliches Engagement. Wir wollten Studierenden sowohl die theoretischen Grundlagen näherbringen als auch zeigen, wie Engagement ganz konkret aussehen kann.
Dafür haben wir klassische Vorlesungsinhalte, etwa zu Zivilgesellschaft oder zivilem Ungehorsam, mit praktischen Beispielen kombiniert. Wir haben beispielsweise Aktivist:innen eingeladen oder Menschen aus Organisationen wie der Seemannsmission oder der Feuerwehr. Ziel war es, sichtbar zu machen, wo Engagement stattfindet und welche Möglichkeiten Studierende haben, selbst aktiv zu werden.
Ein wichtiger Bestandteil war auch, dass wir Engagement tatsächlich anerkannt haben: Studierende konnten sich ehrenamtliche Tätigkeit im Umfang von 60 Stunden mit Leistungspunkten anrechnen lassen.“
Was war besonders an dem Seminar und wie wird Transfer umgesetzt?
„Das Besondere waren die vielen Menschen aus der Zivilgesellschaft. Wir haben nicht nur über Transfer gesprochen, sondern ihn konkret umgesetzt, indem wir externe Akteure in die Lehre eingebunden haben.
Man kann sagen: Wir haben die Welt in die Universität geholt. Etwa ein Viertel der Veranstaltung bestand aus theoretischen Grundlagen, der größere Teil aus praktischen Einblicken und Diskussionen. Diese wurden dann gemeinsam reflektiert.
Zugleich haben wir Studierenden nicht nur Beispiele gezeigt, sondern ihnen auch Möglichkeiten eröffnet, selbst aktiv zu werden. Durch die Anerkennung von Engagement mit Leistungspunkten wurde dieser Transfergedanke zusätzlich verankert.“
Was hat Ihnen besonders Spaß gemacht?
„Eigentlich alles. Besonders interessant finde ich solche offenen Formate wie Ringvorlesungen, weil sie unterschiedliche Menschen zusammenbringen und die Universität nach außen öffnen.
Mir hat es viel Freude gemacht, die Veranstaltung zu konzipieren, Kontakte in die Stadtgesellschaft zu knüpfen und Menschen einzuladen, die sonst nicht Teil der Universität sind. Auch die Zusammenarbeit im Team hat Spaß gemacht.
Am schönsten ist es aber zu sehen, wenn Studierende etwas daraus mitnehmen. Wenn sie sagen, dass sie inspiriert wurden oder sich sogar weiter engagieren. Diese unmittelbare Wirkung ist etwas, das man in klassischen Lehrformaten oft weniger stark erlebt.“
Welche Tipps haben Sie für andere Lehrende, die mehr Praxisbezug herstellen möchten?
„Das ist vor allem eine Frage der eigenen Haltung. Man muss sich fragen, wie man Universität versteht und ob man bereit ist, sich auf Praxis einzulassen.
Mein wichtigster Tipp wäre: einfach ausprobieren. Es lohnt sich, weil man neue Perspektiven gewinnt, interessante Menschen kennenlernt und auch die eigene Forschung davon profitieren kann.
Gleichzeitig muss das zum eigenen Stil passen – nicht jede Person muss Transfer auf die gleiche Weise umsetzen. Aber wer offen dafür ist, wird feststellen, dass es nicht nur sinnvoll ist, sondern auch Spaß macht und die eigene Arbeit bereichert.“
Falls auch Sie mehr Transfer in Ihre Lehre integrieren oder Ihre Transferformate sichtbarer machen wollen, schreiben Sie eine E-Mail mit Ihrem Anliegen an: rosi.wiso@uni-hamburg.de(rosi"AT"uni-hamburg.de).

