18.11.2026, 17:00 - 19:00 Uhr: Antrittsvorlesungen Senior Lecturers an der WiSo-Fakultät
Dr. Janina Zölch
Titel: "Von der Theorie zur eigenen Forschung - Wie qualitative Methoden im Soziologiestudium begeistern"
Mein erstes selbst geführtes Interview im Studium stellte ein Schlüsselerlebnis für mich dar, das meinen weiteren Weg prägte. Ich entschied mich für eine qualitative Abschlussarbeit und anschließend für eine Promotion in der qualitativen Sozialforschung. Heute ist es mir eine große Freude, meine Leidenschaft für die Forschung als Senior Lecturer für qualitative Methoden an Studierende weitergeben zu können. In meinem Vortrag zeige ich anhand aktueller Lehrprojekte zu den Schwerpunkten Migration und Erstakademiker:innen, wie qualitative Forschung im Soziologiestudium begeistern kann. Neben fundiertem Wissen zu Methoden und Theorien geht es mir um eine nahbare Vermittlung. Diese lebt vom Teilen eigener Forschungserfahrungen über klassische Lehrbuchartikel hinaus, schafft Raum für die Kreativität der Studierenden und baut Berührungsängste vor der eigenen empirischen Praxis gezielt ab.
Dr. Julia Reuschenbach
Titel: "Gebraucht, belächelt, verachtet? – Zur Bedeutung von Kompromissen in Politik und Gesellschaft"
Wenn es um Kompromisse geht, sind sich viele Menschen ziemlich einig. Kompromisse gelten als elementar für die Demokratie, als bedeutsam für die politische Stabilität und Entscheidungsfindung. Alle Menschen sind ihnen privat wie beruflich schon begegnet.
Doch genießen Kompromisse bei Politiker:innen, Journalist:innen oder Bürger:innen tatsächlich einen so hohen Stellenwert, wie es öffentlich erzählt wird? Und was verstehen die jeweiligen Gruppen überhaupt unter Kompromissen? Wie unterscheiden sie sich von Konsens oder Einigung und wann ist ein Kompromiss überhaupt ein Kompromiss? Der Vortrag geht der Frage nach, was die sozialwissenschaftliche Forschung zu diesen Fragen bislang erarbeitet hat, und welche Leerstellen existieren. Es wird deutlich, dass gerade in diesen Leerstellen mit Blick auf das Vertrauen in die Verfahren und Institutionen der Demokratie, hinsichtlich der politischen Selbstwirksamkeit der Bürger:innen und angesichts erstarkenden Populismus – wichtige Perspektiven und Erkenntnisse liegen.
Dr. Jan Krause
Titel: "Rational? Entscheidungen zwischen Modell und Wirklichkeit"
Die Entscheidungstheorie beschäftigt sich mit einer einfachen, aber grundlegenden Frage: Wie treffen Menschen Entscheidungen – und wann können diese als rational gelten? Die Entscheidungstheorie verbindet dabei verschiedene Disziplinen: Ihre Modelle finden in Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Psychologie und Rechtswissenschaften Anwendung und werden zugleich durch die Erkenntnisse dieser Fächer geprägt und weiterentwickelt. In der Vorlesung greife ich dieses Forschungsfeld anhand ausgewählter Arbeiten auf. Ausgangspunkt sind formale Kriterien für Präferenzen über Risiken und zeitlich verteilte Zahlungen. Daran schließen verhaltensökonomische Befunde zur unterschiedlichen Bewertung zukünftiger Gewinne und Verluste an. Eine Anwendung im Finance-Kontext zeigt, welche Folgen solche Muster für Investitionen mit langem Zeithorizont haben können. Schließlich richtet sich der Blick auf psychologische Einflüsse, die rationales Entscheiden unerwartet verändern können. Die Beispiele geben zugleich Einblick in unterschiedliche Stationen meiner Forschung. Abschließend möchte ich den Bogen zu meiner Tätigkeit als Senior Lecturer an der Universität Hamburg schlagen und dort kurz meinen Ansatz in der Lehre skizzieren.
Dr. Julian Müller
Titel: "Theorie und Tonfall. Anmerkungen zu einem wenig beachteten Verhältnis"
Der Tonfall ist etwas, was in sämtlichen sprachlichen Interaktionen auftritt und unmittelbar wahrnehmbar ist, aber nur selten thematisiert wird. Die Vorlesung möchte sich diesem alltäglichen Phänomen daher einmal mit theoretischen Mitteln annähern. Interessant ist der Tonfall schon deshalb, weil sich daran demonstrieren lässt, welch unterschiedliche Theorien man im Blick haben sollte, will man diesen zu fassen bekommen. Es handelt sich schließlich nicht nur um ein Merkmal der Stimme oder des individuellen sprachlichen Stils, es handelt sich um ein komplexes Phänomen an der Schnittstelle von Soziologie, Linguistik, Rhetorik und Kommunikationswissenschaft. Nicht nur soll es in dieser Vorlesung aber um eine Theorie des Tonfalls gehen, sie wird auch nach dem spezifischen Tonfall von soziologischen Theorien fragen, der keineswegs unbedeutend ist für ihre Rezeption.