Handbuch - Wissenschaft responsivieren
Handbuch „Wissenschaft responsivieren. Eine Navigation durch Transfer & Dritte Leistungsdimension“
Beständig steigen die Erwartungen an das Wissenschaftssystem, seine zentrale Funktion, nämlich neues und überraschendes Wissen zu erzeugen, gezielt auf gesellschaftliche Erwartungen auszurichten. Das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft wird in diesem Zuge vermehrt auf „Relevanz“ eingemessen: innovative Technologien für die Wirtschaft, entscheidungsrelevantes Wissen für die Politik, nachhaltige Strukturen für die Umwelt – besser noch, mit Anwender:innen, Entscheider:innen, Bürger:innen. Obschon es nicht neu ist, dass wissenschaftliches Wissen auch gesellschaftliche Wirkung haben solle, so deutet sich doch ein neues Arrangement von Wissenschaft, Hochschule und Gesellschaft an. Konzepte wie Co-Creation und Co-Innovation bereichern immer zwangloser Vokabulare und Praktiken in Forschung und Technologieentwicklung; dass Hochschulen eine Dritte Leistungsdimension namens „Transfer“ einrichten, sei es mit zivilgesellschaftlicher oder sei es mit ökonomischer Wirkungsabsicht, ist nicht länger nur Teil wissenschafts- und hochschulpolitischer Anrufungen, nein, diese neue Leistungsdimension wird soeben auch Teil der Organisation Hochschule, der Forschungsagenden und -praktiken in der Wissenschaft ebenso wie des Tätigkeits- und rezenter noch: des Karriereprofils von Forschenden und Lehrenden.
Während bereits enthusiastischer Zuspruch ebenso wie Kritik zu hören sind, ist es doch weniger klar,
- was genau und was alles mit „Transfer“ gemeint ist und/oder gemeint sein sollte;
- was dies für die Vielfalt der Fachkulturen, das Hochschulsystem in seiner Differenziertheit oder hinsichtlich der Aufgaben für Forschende, Lehrende oder Hochschulleitungen bedeutet, ebenso wie für das Wissenschafts- und Hochschulmanagement;
- was eigentlich unter Impact zu verstehen ist und wie und warum man ihn erfasst;
- welche Rückwirkungen all dies auf Wissenschaft und Hochschule hat. Denn Transfer ruft dornige Fragen nach „Wahrheit versus Nützlichkeit“ oder „Autonomie versus Responsivität“ auf den Plan.
Angesichts der Vielgestaltigkeit von Phänomenen und Fragen, die sich hinter dem Kollektivsingular „Transfer“ verbergen, stellt sich der Wunsch für Praktizierende, Fordernde und Fördernde ein, sich zu orientieren, anhand konkreter Beispiele eine bessere Anschauung zu gewinnen und aus kritischer Reflexion zu lernen, welche Implikationen dies für die heiß diskutierte Zukunftsfähigkeit des Wissenschaftssystems (in Deutschland) haben kann.
Eine Wissenschaft, die nicht mehr nur Innovationstreiberin ist, sondern zunehmend selbst von Innovationen und werthaltigen Erwartungen getrieben scheint, und ein Hochschulsystem, das sie mit knappen Ressourcen erfüllen soll oder will, könnte eine Hilfe zur Navigation durch teils raue Gewässer, unübersichtliche Formenvielfalt und noch offene Horizonte gebrauchen.
Diese Navigationshilfe möchten Prof. Sabine Maasen und Prof. Hans-Hennig von Grünberg von der Universität Potsdam mit ihrem Projekt geben. Gemeinsam mit mehr als 60 Ko-Autor:innen arbeiten sie an dem Handbuch „Wissenschaft responsivieren. Eine Navigation durch Transfer & Dritte Leistungsdimension“. Es richtet sich an alle, die in Forschung und Lehre sowie in Wissenschafts- und Hochschulpolitik mit der Einrichtung, Durchführung, Analyse und Bewertung von Prozessen (kokreativen) Wissens- und Technologietransfers befasst sind.
Erscheint: Frühjahr 2027, Verlag: Springer.