Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen
Projektbeschreibung
Von (multipler) Prekarität gekennzeichnete Lebenslagen können es erschweren, formal geltende Arbeitsrechte einzufordern. Armut und unzureichende soziale Sicherung, überlastende Fürsorgeverpflichtungen, Exklusion (z.B. aufgrund von Rassismus) oder ein unsicherer Aufenthaltsstatus führen potenziell dazu, dass Beschäftigte Rechtsverletzungen bei der Arbeit (z.B. unbezahlte Überstunden, nicht gewährte Urlaubsansprüche) nicht oder nur begrenzt problematisieren (können). Individuelle rechtliche Strategien im Betrieb geraten bei lebensweltlicher Prekarität ebenso an ihre Grenzen wie kollektive gewerkschaftliche Organisierung.
Im Mittelpunkt des durch die Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekts Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen steht vor diesem Hintergrund die Frage wie, warum und unter welchen Umständen prekäre Lebenslagen praktisch die Möglichkeit einer Inanspruchnahme von formal geltenden Arbeitsrechten einschränken. Das Projekt untersucht, wie prekäre Lebenslagen sich auf Strategien der Betroffenen auswirken (z.B. Erdulden, Exit / Kündigung, situativer Ungehorsam, Rechtsstreit, kollektive Organisierung, öffentliche Kritik) und welche Konsequenzen für Arbeitsbeziehungen damit verbunden sind (z.B. Normalisierung von Arbeitsrechtsverletzungen, Erosion arbeitsrechtlicher Standards).
Empirischer Schwerpunkt der Forschung sind qualitative Interviews mit Menschen in prekären Lebenslagen, die eine arbeitsrechtliche Beratung in Anspruch nehmen, über Alltagserfahrungen und Strategien im Umgang mit Arbeitsrechtsverletzungen. Ziel der Forschung ist es, Ansatzpunkte sowohl für eine ermächtigende Beratungspraxis als auch für eine erfolgreiche gewerkschaftliche Organisierung von Beschäftigten in prekären Lebenslagen zu identifizieren. Darüber hinaus sollen politische Entscheidungsträger*innen für spezifische Schutzbedarfe von Beschäftigten in prekären Lebenslagen sensibilisiert werden.
Laufzeit: 01.04.2024 - 30.09.2026
Drittmittelgeberin: Hans-Böckler-Stiftung
Newsletter
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Publikationen
- Huke, Nikolai (2025): Ungleicher Zugang zum Recht in Deutschland, ZÖSS-Discussion Paper #125
- Huke, Nikolai (2025): Towards a critical political economy of migration, borders, and racism in the European Union. In: Bieler, Andreas / Maccarrone, Vincenzo (Hg.): Critical Political Economy of the European Polycrisis: 16-31.
- Huke, Nikolai (2025): Der Rechtsstaat als unabgeschlossenes Projekt In: PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 55(219): 403-418.
- Huke, Nikolai (2025): Die Nichtinanspruchnahme von Beschäftigtenrechten In: Arbeits- und Industriesoziologische Studien 18(1): 27-42.
- Huke, Nikolai (2025): Psychische Belastung durch Rassismus in der Arbeitswelt, ZÖSS-Discussion Paper #118
- Huke, Nikolai (2025): Arbeitsrechtsverletzungen in Deutschland als Folge unzureichend begrenzter Arbeitgebermacht, ZÖSS-Discussion Paper #117
- Huke, Nikolai (2024): Rechtsmobilisierung in prekären Lebenslagen. (Rechts-)Beratungsstellen als Voraussetzung rechtsstaatlicher Verhältnisse In: Kritische Justiz 57(3): 406-420.
Interviewreihe
Das Projekt veröffentlicht eine Interviewreihe mit Arbeitsrechtsberatungsstellen in der Zeitschrift express.
- Tarek Jabi und Megan Shah (Faire Integration Hamburg): „Habe ich überhaupt keine Rechte?“
- Christian Urlaub (Beratungsstelle Arbeit der AWO Unterbezirk Dortmund): „Lohnnachzahlungen werden vom Jobcenter einkassiert“
- Justyna Oblacewicz (Faire Mobilität): Verführung zum Rechtsbruch
- Christoph Cramer (cuba Münster): „Tu schön artig das, was ich von dir verlange – oder du musst zurück in dein Herkunftsland“
- Šejla Vojić (Faire Mobilität Stuttgart): „Die Beschäftigten gehen bei Konflikten häufig leer aus“
- Katarzyna Laszuk (Faire Mobilität Erfurt): „Die Leute werden im Stich gelassen“
- Margarete Brugger (mira – Mit Recht bei der Arbeit!, Standort Karlsruhe): „Solange keine Arbeitsbescheinigung vorliegt, wird kein Arbeitslosengeld berechnet“
- Magdalena Morgenroth, Aldona Kucharczuk und Viktoria Brandt (Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit – Arbeit und Leben DGB/VHS e.V. ): „Man darf nicht krank werden, Schwangerschaft ist auch nicht gut“
- Monika Górka (ver.di-Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel in Sachsen-Anhalt): „Die Arbeitgeber schikanieren Streikende mit allen Mitteln“
- Khaled Al Bitar und Shabana Hewad (IQ - Faire Integration Mecklenburg-Vorpommern):„Ausländerbehörde zufrieden, Arbeitsbedingungen katastrophal"
Veranstaltungen
- 22.11.2024: Fachtag „Rassismus in der Arbeitswelt“ (Videoaufzeichnungen)
- 04.04.2025: Fachtag „Arbeitsrechtsverletzungen in Deutschland" (Videoaufzeichnungen)
- 11.09.2025: Fachtag „Ungleicher Zugang zum Recht“ (Videoaufzeichnungen)
- 26.03.2026: Fachtag „Aufenthaltsstatus und Zugang zum Arbeitsrecht“
Medienberichte
- Migrationsforscherin: Rassismus bestimmt, wer in welchem Beruf arbeitet (SWR, 22.11.2024)
- „Unser System ist nicht darauf ausgelegt, dass Beschäftigte ihre Rechte durchsetzen" (SPIEGEL, 19.08.2025
- Willkür von Arbeitgebern. Sie machen, was sie wollen (taz, 19.02.2026)
- Kampf um Arbeitnehmerrechte. Krank zur Arbeit oder kein Geld (taz, 03.03.2026)
Termine
- 20.03.2026, 09:00-10:30 Uhr: Recht, das Recht de facto außer Kraft setzt. Warum das Aufenthaltsrecht das Arbeitsrecht in Deutschland untergräbt. Vortrag im Rahmen der Migrationsfachtagung 2026 der Caritas Nord-Ost „Starke Beratung - erfolgreiche Integration“ im Kloster Nütschau in Travenbrück
- 22.04.2026, 09:00-12:30 Uhr: Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen. Warum Beschäftigte ihre Rechte nicht einfordern (können). Workshop im Rahmen eines Betriebsräteseminars der Kritischen Akademie Inzell
- 04.05.2026, 19:00-20:30 Uhr: Rassismus als Arbeitsmarkthindernis für Geflüchtete, Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zwischen Repression und Hoffnung“ in Freiburg im Breisgau
- 05.05.2026, 10:00-12:00 Uhr: Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen. Warum Beschäftigte ihre Rechte nicht einfordern (können). Vortrag im Rahmen des Oberseminars „Neuere Forschung aus der Arbeits- und Organisationssoziologie“ an der FAU Erlangen
- 06.05.2026, 09:00-12:30 Uhr: Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen. Warum Beschäftigte ihre Rechte nicht einfordern (können). Workshop im Rahmen eines Betriebsräteseminars der Kritischen Akademie Inzell
- 07.05.2026, 11:00-12:30 Uhr: Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen: Handlungsmöglichkeiten in der Migrationsberatung. Workshop im Rahmen der Fachtagung für Paritätische MBE-Berater*innen in Goslar
Kontakt
Dr. Nikolai Huke (Projektleitung)
Universität Hamburg
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Sozialökonomie
Soziologie
Welckerstraße 8
20354 Hamburg
Raum: 5.26
Tel.: +49 0 1578-7414416
E-Mail: nikolai.huke"AT"uni-hamburg.de
Sarah Tews (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
E-Mail: sarah.tews"AT"uni-hamburg.de