Fragmentierung digitaler Nachrichtenpublika als gesellschaftliche und wissenschaftliche Herausforderung (DNA.FRAG)
Worum geht es?
Die Digitalisierung hat die Fragmentierung von Nachrichtenpublika in den Vordergrund öffentlicher und wissenschaftlicher Debatten gerückt. Mit der zunehmenden Vielfalt digitaler Medienangebote wird eine stärker präferenzgeleitete Nachrichtenauswahl möglich. Damit verbunden ist die Sorge, dass die integrative Leistung von Öffentlichkeit erodiert: Wenn gemeinsame Medienerfahrungen schwinden, könnte die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Deliberation geschwächt werden.
Ob und in welchem Ausmaß solche Fragmentierungstendenzen tatsächlich vorliegen, ist jedoch wissenschaftlich umstritten – nicht zuletzt, weil bisherige Forschung sich vor allem auf Selbstberichte und genutzte Nachrichtenquellen (statt Inhalte) konzentriert hat.
Was sind die Ziele?
DNA.FRAG ermöglicht durch methodische Innovationen substanzwissenschaftliche Fortschritte, um Muster, Prävalenz sowie individuelle und gesellschaftliche Treiber und Wirkungen der Publikumsfragmentierung umfassender und differenzierter zu erfassen. Konkret werden folgende, bisher unklare Kernfragen adressiert:
Fragmentierung auf Inhaltsebene
Inwieweit sind Publika nicht nur hinsichtlich der genutzten Nachrichtenquellen fragmentiert, sondern auch hinsichtlich der tatsächlich rezipierten (politischen) Nachrichteninhalte?
Rolle digitaler Intermediäre
Wie prägen Online-Intermediäre (wie soziale Medien, Suchmaschinen und Nachrichtenportale) die Fragmentierung von Nachrichtenpublika? Tragen sie zur Konvergenz oder zur weiteren Ausdifferenzierung bei?
Dynamiken der Fragmentierung
Wie vollzieht sich Publikumsfragmentierung als dynamischer Prozess? Inwieweit verstärkt und manifestiert dieses Prozessgeschehen Individualisierungs-, Segmentierungs- und Polarisierungstendenzen in modernen demokratischen Gesellschaften?
Wie ist das Vorgehen?
Um diese Fragen zu beantworten, kombiniert DNA.FRAG Sekundäranalysen zweier einzigartiger bestehender, vergleichender Datensätze mit einer innovativen Primärerhebung in Deutschland über das GESIS Panel.dbd – eine neue Forschungsinfrastruktur, die Umfragedaten mit digitalen Verhaltensdaten verknüpft.
Methodisch verbindet das Projekt Web-Tracking-Daten (zur Nachrichtennutzung), Panelbefragungen (zu Interessen und Einstellungen) und automatisierte Inhaltsanalyse mit Fortschritten in der Netzwerkanalyse (z.B. Two-Mode-Netzwerke) und Informatik (z.B. Zero- und Few-Shot-Learning mit Large Language Models).
Wer forscht?
DNA.FRAG ist ein Verbundprojekt der Universität Hamburg und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Um Publikumsfragmentierung in ihrer Komplexität zu erfassen, bündelt das Projekt Expertisen aus Medien- und Kommunikationswissenschaft, Netzwerkforschung und Informatik.
Das Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und hat eine Laufzeit von drei Jahren (2025-28).
Die Projektleitung haben: Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw (Universität Hamburg) und Dr. Frank Mangold (GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften)
Zum Projektteam gehören: Judith Gilsbach (GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften), Lars Reinelt (Universität Hamburg)
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- Dauer: 2025-2028
- Projektleitung: Prof. Dr. Kleinen-von Königslöw, Dr. Frank Mangold
- Drittmittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
