Zur Kontroverse in Zeit und FTD

In der Financial Times Deutschland und in der Online-Ausgabe der Zeit wird behauptet, die Aussage zur rd. 80%igen Überdeckung des Rettungsschirms sei falsch bzw. beruhe auf falschen Berechnungen.

Dieser Vorwurf fällt auf seine Urheber zurück, die augenscheinlich nicht zwischen Refinanzierungsbedarf und Neuverschuldung unterscheiden. Der Refinanzierungs-bedarf Spaniens, Portugals und Irlands bis 2013 beträgt nach Aussage der nationalen Schuldenverwaltungen 310 Mrd Euro. Das AAA-fähige Volumen des Schirms umfasst 552 Mrd Euro. Dies ist offensichtlich eine Überdeckung von 78%.

Zeit und FTD rechnen zum Rekapitalisierungsbedarf noch Abschätzungen der voraus-sichtlichen Neuverschuldung dieser Staaten. Außerdem wird dies mit Zahlen vermengt, die die Bankrekapitalisierung betreffen. Dies ist nicht nur unseriös, weil das Plenum dazu keine Aussage gemacht hat, sondern auch deshalb, weil die Neuverschuldung Spaniens, Portugals und Irlands bis 2013 niemandem bekannt ist. Dies ist auch der Grund, weshalb das Plenum sich auf die einzig belastbare Größe bezieht: Den bekannten Refinanzierungsbedarf der Staaten. Selbst wenn dieser für alle drei Staaten ab sofort vom Schirm aufgefangen wird (nicht gerade das realistischste Szenario), bleibt noch ein Volumen in Höhe von 80% dieses Refinanzierungsbedarfs im Schirm verfügbar – eine enorme Menge, um zusätzliche Neuverschuldung zu ermöglichen.

Seriösem Journalismus hätte es übrigens entsprochen, dem Plenum Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, bevor es öffentlich bezichtigt wird, fehlerhaft zu rechnen.

Bernd Lucke
(Geschäftsführer)

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