3,5 Mio. € für „Hamburg Open Online University“: Bürgermeister Scholz skizziert Digitalisierungsstrategie der Hochschulen

Bürgermeister Olaf Scholz bei seiner Rede auf der "Campus Innovation".

Bürgermeister Olaf Scholz bei seiner Rede auf der „Campus Innovation“.

Bürgermeister Olaf Scholz hat die Gründzüge einer Digitalisierungsstrategie für die Hamburger Hochschulen vorgestellt. In einer Rede auf der Konferenz des Multimedia Kontors und der Universität Hamburg, „Campus Innovation“, sprach er am Freitag von der Idee einer Plattform, auf der eLearning-Angebote aller öffentlichen Hochschulen der Stadt veröffentlicht werden. Die Angebote der „Hamburg Open Online University“, so der Arbeitstitel, sollen frei von Zugangsbeschränkungen sein und so von allen Interessierten genutzt werden können. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts will der Senat in den Jahren 2015 und 2016 für das Vorhaben 3,5 Milionen Euro aufbringen. Die Ziele der Strategie liegen nach Darstellung des Bürgermeisters in der Steigerung der Qualität von Studium und Lehre, der Öffnung des Zugangs zur Hochschulbildung und der Präsentation des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts.

Didaktisches Leitbild der eLearning-Angebote soll das problemorientierte Lernen sein, sagte Scholz in seiner Rede. Die frei zugänglichen Medien sollen einem Qualitätsstandard unterliegen und dieser als Markenzeichen für „Open Educational Ressources“ etabliert werden.

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3,5 Millionen Euro gibt der Senat für die Online-Hochschule, will das Abendblatt wissen.

Lehrenden sollen in den Bereichen Qualifizierung und Support zusätzliche Angebote gemacht werden. Außerdem versprach Scholz ein Förderprogramm.

Zudem stellte der Bürgermeister in Aussicht, sich dafür einzusetzen, dass die Lehre bundesweit an den Hochschulen einen höheren Stellenwert erhält.

Hier eine Zusammenfassung der von Bürgermeister Scholz skizzierten Ziele und Maßnahmen:

Ziele der Digitalisierungsstrategie
Qualität & Flexibilität
  • Die Qualität von Lehre und Studium soll gesteigert werden.
  • Die Hochschulen sollen in den Stand versetzt werden,
    • mit hohen Studierendenzahlen und
    • einer zunehmenden Heterogenität Ihrer Studentenschaft umzugehen.
Öffnung des Zugangs
  • Universitäre Lehrangebote sollen allgemein zugänglich gemacht werden und sich damit „neue Möglichkeiten für individuelle Bildungschancen und -karrieren ergeben“.
  • Es sollen neue Zielgruppen erschlossen und
  • Bildungsübergänge erleichtert werden, etwa von der Schule zur Hochschule.
  • Außerdem wurden die Möglichkeiten in der beruflichen Fortbildung betont.
Öffentlichkeitsarbeit
  • Über eine „erfolgreiche Digitalisierung der Hochschulen [werde sich] der gesamte Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Hamburg in ganz anderer Weise national und international präsentieren können“.
  • National und international sollen „die besten Köpfe für die Hamburger Hochschulen“ gewonnen werden.
Grundzüge der „Hamburg Open Online University“
Online-Plattform
  • Selbstentwickelte und -betriebene gemeinsame Plattform aller Hamburger Hochschulen
  • Keine herkömmliche Lernplattform, sondern eine „Enabler-Technologie“: eine offene Architektur mit Basisfunktionalitäten, die
    • über entsprechende Schnittstellen die Einbindung von externen Tools ermöglicht und
    • schnell und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden kann,
    • die unabhängig und auf jedem „Device“ – vor allem auch mobil
      – durch offene Standards nutzbar ist, und die
    • den Einsatz unterschiedlichster didaktischer Settings ermöglicht und die Vernetzung, Kommunikation und Kollaboration in Communities unterstützt.
Didaktik
  • Es soll ein „neuer didaktischer eLearning-Ansatz“ etabliert werden, der sich nicht in der Bereitstellung unterschiedlichster Materialien erschöpft.
  • Ziel ist das problemorientierte Lernen anhand konkreter Aufgaben und Problemstellungen:
    • begleitend zu einem universitären Kurs,
    • offen für Studieninteressierte, die „im Erfolgsfall vielleicht auch Zertifikate erwerben“, und
    • offen für Nichtstudierende.
OER – made in Hamburg
  • Entwicklung qualitätsgesicherter OER, also Lehr- und Lernmaterialien, die jedem Nutzer im Netz zur freien Verfügung stehen.
  • Möglichst alle Materialien, die im Rahmen der „Hamburg Open Online University“ entwickelt und verwendet werden, sollen einen geprüften OER-Standard haben.
  • „OER – made in Hamburg“ soll sich zu einem „anerkannten Markenzeichen entwickeln und überall auf der Welt Anwendung finden“.
Support und Qualifizierung
  • Etablierung von Strukturen in den Hochschulen für eine „breit angelegte“ Qualifizierung der Lehrenden.
  • „Deutliche Verstärkung“ der an den Hochschulen bereits bestehenden Supportstrukturen, um Lehrende beim Erstellen entsprechender Materialien technisch zu unterstützen.
 Anreize
  • ein Förderprogramm soll „bessere Bedingungen zum Realisieren entsprechender Projekte schaffen“.
  • gute Lehre soll „in der Wahrnehmung und in der wissenschaftlichen Reputation einen höheren Stellenwert erhalten“.
    Wichtige Schritte seien

    • die Anrechenbarkeit für gute und aufwändige Lehre,
    • die Vergabe von Lehrpreisen,
    • ein Qualitäts- und Transparenzrahmen,
    • die Berücksichtigung guter Lehre in Berufungsverhandlungen – und dies nicht nur in Hamburg, sondern „über unser Beispiel“ möglichst als „bundesweiter Standard“.

Nach Darstellung des Abendblatts soll bereits 2015 eine erste Version der angekündigten Plattform online gehen.

In den vergangenen Monaten hatte eine von der Behörde für Wissenschaft und Forschung einberufene Arbeitsgruppe mit Vertretern aller öffentlichen Hochschulen die nun vorgestellten Grundzüge einer Digitalisierungsstrategie erarbeitet.

Bereits Anfang 2014 beschloss der Senat weitreichende Änderungen im Hamburger Hochschulrecht, die das eLearning betreffen.

2 Gedanken zu „3,5 Mio. € für „Hamburg Open Online University“: Bürgermeister Scholz skizziert Digitalisierungsstrategie der Hochschulen

  1. Eike Hebeler

    Hallo Herr Witt,
    das Vorhaben, einer Online-Lernplattform in Hamburg einzurichten, braucht eine konzeptionelle Vorgehensweise.
    Ich habe von 1999 bis 2005 im Unterricht der Max-Planck-Schule Kiel das Internet konzeptionell im laufenden Unterricht eingesetzt.
    Prof. Dr. Frank Thissen, Professor für Multimedia-Didaktik an der Universität Karlsruhe, hat mir in seiner Mail vom 29. Mai 2001 mitgeteilt:
    „Lieber Herr Hebeler, heute habe ich Ihren Brief und das Material erhalten. Ich halte es für hochinnovativ. Sie sind wahrscheinlich Ihrer Zeit 50 Jahre voraus.“
    Nach jetzt 13 Jahren beginnt wenigstens Hamburg, sich für das E-Learning zu interessieren.
    Die Ergebnisse meiner Arbeit mit den Schülern können im Netzz unter: http://www.mps-kiel.de aufgerufen werden.
    Vielleicht kann ich mit meinen Erfahrungen bei der Einrichtung einer Plattform behilflich sein.

    Herzliche Grüße

    Eike Hebeler

    Antworten
  2. Dr. Heiko Witt Artikelautor

    Hallo Herr Hebeler,
    herzlichen Dank für Ihren Beitrag und Ihr Angebot.
    Die Plattform wird nun, so jedenfalls meine Einschätzung, von der bestehenden Arbeitsgruppe aus Experten der Hamburger Hochschulen konzipiert, erforderlichenfalls unter Beteiligung Dritter. Ich bin zuversichtlich, dass dabei etwas ebenso zeitgemäßes, wie praxistaugliches herauskommt. An den Hochschulen gibt es ja zahlreiche Personen mit Erfahrungen im Bereich eLearning: Lehrende, Didaktiker und Techniker.
    Herzlichen Gruß
    Heiko Witt

    Antworten

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