Lose Verbindungen: Kollektivität im digitalen und urbanen Raum

Das Graduiertenkolleg “lose Verbindungen” untersucht die Emergenz von Kollektivität an der Schnittstelle von urbanem und digitalem Raum. Verfolgt wird die Frage, was die gegenseitige Überlagerung und Durchdringung (Hybridisierung) von digital-informationalen und baulich-räumlichen Praktiken und Infrastrukturen für die Entstehung von Kollektivität bedeutet.

So beschränkt sich digital organisiertes Zusammensein keineswegs nur auf den digitalen Raum, sondern findet in öffentlichen Versammlungen im städtischen Raum neue Ausdrucksformen (z.B. Anonymous-Proteste). Gleichzeitig wird auch der städtische Raum insbesondere durch ortsbasierte Medien und die Allgegenwart von Smartphones digitalisiert. Dadurch werden spontane Organisationsformen möglich, die nicht zuletzt auch Fremde zusammenführen: Man findet gleichzeitig im Netz und vor Ort zusammen.

Wir vermuten – und diese Annahme ist in empirischen Projekten zu überprüfen –, dass gerade die Verschränkung urbaner und digitaler Räume das Zusammenhandeln unter Fremden (‚lose Verbindungen’) und neue Formen von Handlungsfähigkeit ermöglicht. Es geht also um Typen der Kollektivität, die nicht auf gut und seit langem etablierte Netzwerkverbindungen zurückgreifen können und um die Frage, wie sich lose verbundene, heterogene Elemente zu einer wirkmächtigen Einheit zusammenfügen. Die hier fokussierten Kollektivitäten bilden sich kurzfristig zu bestimmten Gelegenheiten und mögen sich genauso schnell, wie sie entstanden sind, wieder auflösen. Sie beruhen damit weder auf lang erprobten ‚festen Verbindungen’ (wie z.B. Klassen- oder Genderidentitäten) noch auf fixierten Interessen oder einer gemeinsamen Geschichte. Wie aber bringen die Kollektivitäten trotz dieser erschwerten Bedingungen – möglicherweise sogar neue Formen – der Verbundenheit und Handlungsfähigkeit hervor?

Der Untersuchung dieser Fragen widmen sich in den nächsten drei Jahre am Hamburger Graduiertenkolleg „Lose Verbindungen“ acht Doktorandinnen und ein Post-Doc, die von acht betreuenden ProfessorInnen unterstützt werden. Das Graduiertenkolleg wird gefördert aus Mitteln der Landesforschungsförderung des Landes Hamburg.