Programm Liste 2: Birgit und Sascha
Den Wahlflyer gibt es auch hier zum Download.
Augen zu und durch?
Wahl zum Fakultätsrat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Dieser Tage werden zum ersten Mal in der Uni Hamburg die durch die Dräger’schen ‚Reformen’ geschaffenen Fakultätsräte gewählt. Mit der Zusammenlegung der bisherigen 18 Fachbereiche in 6 weitgehend getrennte Fakultäten wird die Abwicklung der Akademischen Gremien zugunsten von Managementstrukturen und die Orientierung der Wissenschaft an den „Standort“-relevanten, d.h. profitträchtigen Wirtschafts-Clustern der „Wachsenden Stadt“ verfolgt. Die Fakultätsräte sollen, neben dem Akademischen Senat, die einzigen demokratisch gewählten Gremien mit Vertretern aller Statusgruppen (Professoren, akadem. Mittelbau, Technisches u. Verwaltungspersonal und Studierenden) sein. D.h. das sämtliche Gremien der akademischen Selbstverwaltung auf Instituts- und Fachbereichsebene damit abgeschafft sein sollen. Die bisherigen Fachbereichsräte werden nun durch „Departmentausschüsse“ ersetzt. Bei unserer Fakultät, der ‚Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften’ wurde schon mit dem Bericht der Dohnanyi-Kommission prognostiziert, daß es eine „starke Hand“ brauchen werde, um die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften mit den Sozialwissenschaften zusammenzulegen, sowie die aufgelöste HWP darin „aufgehen“ zu lassen. Für diesen Prozeß wurde ein „Moderationsverfahren“ unter Leitung des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE, Bertelsmannstiftung) durchgeführt, bei dem die studentische Beteiligung erst erkämpft werden mußte. Ergebnis der Moderation blieb, daß alle Beteiligten die Zusammenlegung ablehnten. Mittlerweile hat unsere Fakultät einen von Senator Dräger oktroyierten „Gründungsdekan“, Prof. Wolfgang Weber, der damit der einzige externe Dekan an der Universität Hamburg ist. Selbstverständlich, daß er die Inhalte und Ziele von Drägers Politik teilt: Kooperative wissenschaftliche Zusammenhänge, Kollegialität, demokratische Aufgabenbestimmung und Selbstverwaltung der Universität durch ihre Mitglieder sollen restlos weichen. Einem Aufsichtsrat gleich soll der Fakultätsrat lediglich das Dekanat kontrollieren.
Die Fakultätenbildung ist eine von insgesamt drei „Keulen“ , die von Dräger über der Uni geschwungen werden: Die Einführung von Studiengebühren soll den kulturellen und sozialen Druck erhöhen, sich in kürzester Zeit einzig auf die lohnversprechende Ausbildung seiner Ware Arbeitskraft zu reduzieren. Keule Nummer Zwei. Damit die dementsprechenden Inhalte gepaukt werden können, werden auf Kosten von kritischer und vertiefter Wissenschaft die stark strukturierten, restriktiven und privat-wirtschaftlich akkreditierten Bachelor-Master-Studiengänge eingeführt. Ab dem kommenden Wintersemester werden z.B. keine Studierende mehr für ein Diplom- oder Magisterstudium in Politik bzw. Soziologie zugelassen, die angebotenen Lehrveranstaltungen müssen entweder in die Modul-Struktur eingegliedert werden (und somit prüfungsrelevant werden), oder fallen sonst weg.
Antidemokratie und Konkurrenz: der Fakultätsrat
Im Fakultätsrat treffen unterschiedlichste Anliegen aufeinander – angesichts des enormen Spardrucks und daraus resultierenden Stellenstreichungen und knapper Mittel wird die Rettung in der größtmöglichen Eigenständigkeit von der Gesamt-Universität gesucht. Schließlich hat man mit der HWP auch die entsprechenden Ressourcen einer ehemals eigenständigen Hochschule mit eigener Verwaltung zur Hand – wozu braucht man da noch die Uni? Zum Erhalt und der Sicherung der jeweils eigenen Bereiche werden da schon die Messer gewetzt, um die HWP zu filetieren. Damit geht Drägers Kalkulation auf: die inneruniversitäre Konkurrenz tritt an die Stelle der fächerübergreifenden Kooperation der Universitätsmitglieder und –organe. Die Entwicklung und Vermittlung wissenschaftlicher Methoden, Ergebnissen und Qualifikationen braucht dem entgegen ein Höchstmaß an Information, Transparenz und demokratischer Beteiligung. Die Fakultäten haben von Dräger mehr Kompetenzen erhalten, um z.B. Studiengänge eigenständig einzuführen und abzuschaffen, Prüfungsordnungen zu erlassen und Zulassungsbedingungen zu bestimmen. Allgemeine, für die gesamte Universität gültige Entwicklungslinien und Maßstäbe soll es damit nicht mehr geben. Beabsichtigt ist die Entmachtung des Akademischen Senates und die Zerschlagung der Universität als Einheit. Der Machtkonzentration bei den Dekanen gilt es z.B. in der Fakultätssatzung eine hohe Beteiligung aller Fakultätsmitglieder bei der Fakultäts- und Departmententwicklung entgegenzusetzen. Dafür ist die Kooperation der studentischen Vertreter im Fakultätsrat (insgesamt nur 3 Studierende gegenüber 12 Professoren!), wie auch mit denjenigen der anderen Fakultätsräte, unerläßlich. Solidarisch läßt sich gut für eine sozial offene, demokratisch verfaßte, emanzipatorisch orientierte, kooperative und interdisziplinäre Universität streiten!
Kritische Weltaneignung oder profitable Verwertung: Bachelor/Master-Studium
Mit einem ganzen Arsenal von Erpressungsmitteln (Blockade laufender Berufungsverfahren, Ziel- und Leistungsvereinbarungen, Finanzentscheidungen, etc.) versucht Dräger gegen begründete Einwände und unter Verzicht der Akzeptanz seiner Maßnahmen u.a. auch die Einführung von Bachelor-Master-Studiengänge voranzutreiben. Die Differenzierung in Masse (Bachelor) und Elite (Master)- Studenten soll die systematische soziale Ungleichheit durch das Bildungssystem weiter verstärken. Die Erarbeitung von umfassender wissenschaftlicher Urteils- und Handlungskompetenz, die Menschen in die Lage versetzt gesellschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen kritisch zu begreifen um sie gemeinsam menschenwürdig zu gestalten ist unvereinbar mit der von Dräger gewünschten Aus-Bildung von ‚Humankapital’. Dieses soll durch Selektion nach ‚Leistung’ (Auswahlverfahren, Credit-Points, Master-Quoten, Zwangsexmatrikulationen, etc.) die flexible Anpassung an die Bedürfnisse späterer Arbeitgeber einpauken. Wissen soll für das individuelle Durchkämpfen angeeignet werden, nur wer dies überdurchschnittlich gut erfüllt, soll dann auf weitere Qualifizierung im (gebührenpflichtigen) Masterstudium hoffen dürfen.
In der Auseinandersetzung um die Studienreform werden wir deshalb, wo dies noch möglich ist, gegen die Bachelor-Master Einführung, für die inhaltliche Substanz der neuen Studiengänge, für ihre Studierbarkeit, für die maximale Durchlässigkeit von BA zu MA und für mehr inhaltliche Transparenz und demokratische Beteiligung an der inhaltlichen Gestaltung wirken.
Warum wir kandidieren
Engagiert in der Verfaßten Studierendenschaft (Fachschaftsrat, Fachschaftsrätekonferenz, Ausschuß für Lehre und Studium, etc.) und in gesellschaftlichen Bewegungen für Frieden, Abrüstung, soziale Gleichheit, sinnvolle Arbeit, umfassende Demokratisierung, emanzipatorische Bildung und kritische Wissenschaft kandidieren wir für den Fakultätsrat. Die prinzipielle Ablehnung von Studiengebühren, die Gegnerschaft zur inhumanen Politik des Beust-Senates, sowie die Absicht weitreichender, demokratischer Hochschulreformen für die Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse bildet die Grundlage für unsere gemeinsame Kandidatur. Das „Augen zu und durch“ hat eine Alternative.
„Wissenschaftliche Freiheit in gesellschaftlicher Verantwortung: Die Mitglieder der Universität wollen die universitären Aufgaben in der Verbindung von Forschung und Lehre, Bildung und Ausbildung in wissenschaftlicher Unabhängigkeit erfüllen. Sie wollen zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft beitragen und Frauen und Männern gleichen Zugang zu Bildung und Wissenschaft eröffnen.“
(Leitbild der Universität Hamburg)
Liste 02 : Hauptvertreterin : B. Bachmayer ; Stellvertreter : S. Goerke
Die Briefwahlunterlagen erhaltet Ihr per Post. Wer bis zum 7. Juli keine bekommen hat, kriegt welche vom Wahlamt (Moorweidenstr. 18). Den Stimmzettel rechtzeitig zurückschicken, in die Briefwahlurnen (Hauptgebäude, Phil-Turm, WiWi-Bunker, Geomatikum) einwerfen oder bis zum 15 Juli beim Wahlamt abgeben.


