„Facebook ist eine Partnerbörse“

Noura, 29, Juristin – Facebook-Verweigererin

Für Noura ist Facebook eindeutig eine Selbstdarstellungsplattform und damit eine Partnerbörse. Alleine, dass man seinen Beziehungsstatus und das Interesse an Männern oder Frauen angeben kann, ist für Noura ein klares Indiz dafür. „Das erste, was man tut, wenn man jemanden gut findet, ist doch bei Facebook schauen“.

Noura, 29, JuristinDeshalb steht für Noura fest: „Wer in einer Beziehung ist, hat auf Facebook nichts zu suchen, außer man macht ein Profil zu zweit. Ein Paarprofil“. Ansonsten käme es, so die Juristin, viel zu schnell zu Streitereien. Der Partner sieht Freundschaftsschließungen und Schriftkontakt, die ihn eifersüchtig machen könnten, obwohl eventuell gar nichts passiert ist. Der Interpretationsspielraum sei einfach groß und könne zu Missverständnissen bis hin zur Trennung führen, sagt die 29-Jährige.

Noura selbst ist in einer funktionierenden Beziehung und hat nicht das Bedürfnis, die Art von Anerkennung von der Außenwelt zu bekommen, die auf Facebook ihrer Meinung nach gesucht wird. „Man macht Werbung für sich selber, um sich in seinem sozialen Netzwerk so gut wie möglich darzustellen und vielleicht sogar auch beneidet zu werden“. Niemand würde ein Foto reinstellen, auf dem er unvorteilhaft aussieht, fügt sie hinzu. Ein Beweis dafür, dass das Facebook-Profil wie eine Setcard sei, die nach Nouras Meinung niemand braucht, es sei denn, er oder sie ist ein Künstler.

Für Noura steht fest: Sie möchte ihr Leben nicht auf Facebook preisgeben. Ein weiterer Grund: „Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts“ und jeder Datensatz bringe circa 14 Dollar, erklärt die Juristin.

Neben der Werbeindustrie profitiert ihrer Meinung nach auch der Verfassungsschutz von Facebook. Wenn die "St. Pauli Ultras" über das Netzwerk ein „Event“ planten, dann schaue sich der Verfassungsschutz das ganz genau an.

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