Eine Mail mit dem Betreff "Sorry"

Wir waren beste Freunde seit der Schulbank, haben zusammen auch unsere Studentenjahre erlebt. Wir wussten alles übereinander. So eine richtige Brüderschaft. Ich habe den ersten Toast auf seiner Hochzeit gesprochen. Danach Arbeitstage, Familienleben – wie bei allen anderen. Ich habe ihn auch ab und zu angerufen, mit den üblichen Vorschlägen: Bier, Fußball, Männerabend. Er hatte immer zu tun. An einem Morgen habe ich von ihm eine Mail mit dem Betreff „Sorry“ bekommen. Da stand nicht viel drin: Bruder, ich habe jetzt ein anderes Leben. Ich verstehe das immer noch nicht. Will aber auch nicht.

                                                                                                                             Sven, 28 J., Grafiker.

Die Mails sind heute eher an die Arbeitsplätze verdrängt worden. Wer schreibt noch seinen besten Freunden eine Mail? Oder seinen Geliebten? Die trockenen Formalitäten, Standardsprache und wir verbleiben mit freundlichem Grüßen. Ist es richtig, uns auf solch eine Weise von den Leuten zu trennen? Damit sind wir auch dem anderen Menschen gegenüber ehrlicher und alle Höfflichkeiten werden beachtet: „Guten Tag, damit sage ich vielen Dank für unsere langjährige Beziehung. Alles Beste. Mit freundlichen Grüßen.“ Ganz formal sollte keiner etwas dagegen haben. Ganz unformal sollte keiner es verdienen.

Aber: Sind immer die letzten Worten ein Schluss in der Beziehung?