Wenn Dir Leute echt dumm kommen – und Schlimmeres

Stalking, Beleidigung, Erpressung - schlimmer kann es kaum werden. Oft sind Social-Net-Nutzer hilflos und wissen nicht, wie sie sich gegen Cyber-Mobbing wehren können. Doch vieles ist strafbar und kann angezeigt werden. Ein Überblick von Bedrohung bis Nötigung.

Von Navid Tavanapour

Arbeits- und Privatleben werden auch online geführt. Im Internet rücken sie zusammen und überschneiden sich oft schneller als in der realen Welt. Doch genau dort, im Netz, können sie auch rasend schenll zerstört werden. Die Folgen werden aber erst in der realen Welt spürbar. Beispiele dafür gibt es viele.

Beschimpfungen, Bedrohungen, Belästigungen, Erpressungen – der Begriff Cyber-Mobbing fasst alles zusammen – sind auch dann schlimm genug, wenn sie nur in der Privatsphäre geschehen. Der Angegriffene leidet. Und ist einmal der Ruf beschädigt, wird es sehr schwer, diesen wieder so herzustellen, dass nichts hängen bleibt. Denn das Netz vergisst nie: Digitale Spuren sind schwer zu beseitigen.

Es muss nicht unbedingt auf einem Social-Network-Portal wie Facebook passieren. Aber wenn jemand einem schaden will, findet er/sie mit Hilfe des Internets dafür Wege. Jedoch sind diese in Deutschland meistens strafbar. Die zutreffenden Gesetzesverstöße müssen aber zuerst einmal erkannt und gemeldet werden, damit sie überhaupt verfolgt werden können.

Stalking ist strafbar

Eine permanente Beleidigung und Belästigung mit E-Mails, Chatteinträgen, SMS, Facebook-Posts usw. kann als Stalking nach 238 StGB (Nachstellung) ausgelegt werden. Im Wikipedia-Eintrag heißt es dazu: "Stalking ist die beabsichtigte und wiederholte Verfolgung und Bedrohung eines Menschen." Stalking kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden.

Von Cyber-Mobbing ist die Rede, wenn Menschen übers Internet in irgendeiner Form schikaniert werden. Um dem vorzubeugen, werden auf den einzelnen Portalen Hinweise gegeben, wie man sich am besten verhalten soll und welche Vorkehrungen getroffen werden sollten. Facebook rät: "Akzeptiere nur Freundschaftsanfragen von Personen, die du im wahren Leben kennst, um Belästigungen durch Fremde zu vermeiden. Solltest du also besorgt sein, dass jemand unangebrachte Beiträge hinterlassen oder anstößige Nachrichten versenden könnte, ignoriere die Freundschaftsanfrage dieser Person.“

Diese Hinweise sind berechtigt und hilfreich, aber schützen sie einem davor, dass Personen, mit denen man nicht selbst (aber die Freunde) online befreundet sind, auf ihren eigenen Profilen Texte, Bilder, Videos und andere Dateien über einen veröffentlichen? Oder davor, dass Freunde private Bilder im Internet veröffentlichen, die die Arbeitskollegen oder Chefs nicht sehen sollten? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Dagegen ist kaum etwas zu machen. Aber falls solche Dateien gefunden werden, kann man darauf bestehen, dass diese entfernt werden.

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Beleidigung in Chatrooms und Foren

Zu den Gesetzesverstößen im Internet gehört auch Beleidigung nach §185 StGB. Schimpfwörter, Vergleiche auf unterstem Niveau und jede andere Verletzung der persönlichen Ehre fallen darunter. Das ist leider sehr häufig in Chattrooms, Blogs und sozialen Netzwerke zu beobachten, obwohl es auf den meisten Plattformen Regeln gibt, die das untersagen. Viele User sind sich über die Konsequenzen nicht im Klaren, denn außer von der jeweiligen Plattform verhängten Strafen wie Kontolöschung oder öffentliche Verweise kann Beleidigung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden. Wenn es also ganz schlimm kommt, sollten Menschen, die beleidigt worden sind, Anzeige erstatten.

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Üble Nachrede durch Gerüchte

Genauso wie Beleidigung ist auch üble Nachrede §186 StGB strafbar. Üble Nachrede ist eine Form der Beleidigung, die - meist in Form von Gerüchten - hinter dem Rücken der Menschen, die beleidigt werden, verbreitet wird. Im Strafgesetzbuch steht: "Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung Herabwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Was für einige harmloses Lästern ist, ist für andere üble Nachrede. Daher sollten Bemerkungen, die beleidigend wirken könnten, vermieden werden. So manch einer oder eine könnte sonst schnell vor dem Richter landen.

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Verleumdung trotz besseren Wissens

Noch weiter geht die Verleumdung §187 StGB. Dabei ist dem Täter klar, dass in Wahrheit eine Sache ganz anders ist, er behauptet aber trotzdem etwas Unwahres über jemanden, das demjenigen schadet. Er hängt ihm absichtlich etwas an. Eine Verleumdung wäre z.B., wenn Frau X auf Facbook behauptet, Kollege Y habe sie vergewaltigt, obwohl das nicht stimmt. Verleumdung wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.

Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung tauchen sehr häufig im Internet auf. Damit werden die Opfer schwer geschädigt, da die Äußerungen und Vorgänge im Internet für viele nur schwer oder gar nicht zu verfolgen sind. Häufig bemerken sie über lange Zeit nicht, dass eine üble Kampagne gegen sie läuft. Das Opfer steht quasi auf einer Bühne und wird vor allen Bekannten gedemütigt.

 

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Jemanden unter Druck setzen - Nötigung und Bedrohung

Bedrohlich und gefährlich wird es, wenn Internetsurfer zu Mitteln greifen, die die Freiheit des Menschen einschränken, wie in Fällen von Nötigung. Dazu heißt es in §240 StGB: "Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Die Online-Welt und die sozialen Netzwerke bieten leider einen perfekten Raum für eine Nötigung. "Du wirst nichts verraten! Sonst stelle ich auf Facebook ein Bild, auf dem du Drogen konsumierst", wäre eine mögliche Form, um jemanden unter Druck zu setzen. Die Bedrohung selbst ist nach § 241 StGB bereits strafbar und wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft.

 

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Erpressung per Video oder Datentransfer

Soziale Netzwerke werden auch für Erpressungen nach §253 StGB benutzt. Sensible Daten lassen über Videos, Fotos und Texte blitzschnell und gezielt verbreiten - genau in dem Kreis, in dem die Dateien am effektivsten Schaden zufügen können. Wichtige Daten wie firmeninterne Geheimnisse, Videos über bekannte Personen, Fotos von heiklen Situationen könnten mit einem Klick veröffentlicht werden und eignen sich als Erpressungsmaterial.

Erpressung ist eine Form der Nötigung mit dem Zusatz, dass der Erpresser sich selber bereichern will und Geld als Gegenleistung verlangt. Erpressung wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft.

 

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