Nachteile: Egosurfen für's gute Image

Kontrolle ist gut. Denn wer nicht weiß, was über ihn oder sie im Netz kursiert, wird eventuell böse überrascht.  Vorsicht von vornherein ist noch besser: Jeder sollte gut überlegen, was er postet und mit wem er sich anfreundet.

Von Jana Kim Köhler

Das Internet birgt die wohlbekannten Schattenseiten: Was einmal „drin“ ist, das kommt nicht wieder heraus. Einträge lassen sich nicht wirklich aus dem Netz löschen.

Das bestätigt auch der Kaiserslauterner Medienprofessor Hendrik Speck. Es sei zwar einfach, unendlich viele Daten ins Netz zu stellen, aber ebenso schwierig, einen Algorithmus zu entwickeln, der die komplexe Aufgabe des "Vergessens" bewältigt. Für Datenanbieter sei dieses kybernetische Problem des Löschens und Vergessens auch nicht von Interesse, solange Speicherplatz zu immer geringeren Kosten zur Verfügung gestellt werden könne. Speck spricht hier von "Datenhaltbarkeit", welche sich in Zeiten des mediendemokratischen Wandels weiterhin einen Namen machen wird. Denn die Anzahl der User von sozialen Medien nehme stetig zu, wodurch immer mehr Daten ins Netz gestellt würden.

Doch wo liegt der Reiz, das Internet mit Daten zu "füttern"? Hendrik Speck erklärt dieses Phänomen mit dem mediendemografischen Wandel, veränderten Lebensbedingungen und Bedürfnissen gerade in der jüngeren Generation. Junge Menschen müssten sich beispielsweise in der Ausbildung und im Berufsleben aktiv mit den neuen computervermittelten Medien auseinandersetzen, gleichzeitig werde von ihnen eine soziale Offenheit, Flexibilität und Mobilität gefordert.

Neben der Berufswahl betreffe dies laut Speck auch direkt den Arbeits- und Wohnort sowie das soziale Umfeld: "Der Wandel zur Informationsgesellschaft wird zunehmend durch zerstückelte Erwerbsbiografien und instabile Lebensverhältnisse bzw. Familienverbände gekennzeichnet. Elektronische Medien erscheinen dabei als vermeintliche Werkzeuge zur Kompensation zerrissener Sozialstrukturen". Skype beispielsweise vermittle als virtuelle Erweiterung der privaten Wohnung und persönlicher Bereiche das Gefühl, geografische Distanzen überwinden und Fernbeziehungen erfüllter führen zu können. 

Das kann passieren

Dass das Netz Gefahren birgt, scheint nicht jedem Internetnutzer bewusst zu sein. Die Geschichte von Thessa, die ihre Adresse anlässlich ihres sechzehnten Geburtstages auf Facebook veröffentlichte, machte im Mai und Juni 2011 deutschlandweit Schlagzeilen. Die Geburtstagseinladung war auf „öffentlich“ gestellt, sodass es für jeden Facebook-Nutzer zugänglich war. Über 15.000 Feierbegeisterte sagten beim Event zu, sodass Thessa schließlich ihr Profil löschte. Aber dennoch kamen an ihrem Geburtstag etwa 400 partyfreudige Jugendliche in ihren Vorgarten und feierten bis in die Nacht. Polizei und ein vom Vater bestellter privater Sicherheitsdienst waren im Einsatz. Da Facebook-Events auf „öffentlich“ voreingestellt sind und erst mit einem Klick auf „privat“ gestellt werden müssen, wurde nach dem „Thessa-Vorfall“ die Debatte laut, dass Facebook solche Voreinstellung besser und sicherer gestalten sollte.

Ein negatives digitales Profil kann schwerwiegende Folgen haben. Zachary Garcia, ein junger Student der University of Florida, googelte sich selbst und stieß auf unfassbare Schlagzeilen: Er wurde demnach (fälschlicherweise) wegen Mordes gesucht. Das Nachrichtenportal WTSP.com berichtete über den Fall. Ein Polizeibeamter hatte mit einer fehlerhaften Dateneingabe von Geburtstag und Namen diesen Irrtum ausgelöst. Für Garcia hieß es daraufhin, sich mit der "Datenhaltbarkeit" des Internets auseinander zu setzen und um seinen guten (digitalen) Ruf zu kämpfen.

Auch Freunde oder Bekannte können für Negativschlagzeilen verantwortlich sein. Fotos, Email-Adressen und vieles mehr können so ins Netz gelangen, ohne dass dies einem bekannt sein muss. Deshalb bleibt es nicht aus, sich regelmäßig selbst zu googeln, um sein digitales Profil stets zu kennen.

So kann man sich schützen

Das Marktforschungsinstitut INNOFACT fand heraus, dass sich acht von zehn Internetnutzern schon selbst gegoogelt haben. Dahinter steckt nicht unbedingt Eitelkeit, sondern kluge Vorsicht. Immer mehr Usern scheint bewusst zu sein, dass das Internet ein digitales Profil über sie erstellt – das wiederum jedem zugänglich ist. Sein eigenes digitales Profil zu erkunden, ist demnach der erste Schritt.

So weit, so gut. Dadurch ist aber immer noch nicht die Frage geklärt, wie man sein digitales Profil auf Vordermann bringen kann. Dabei kann dir dieser Ratgeber helfen: FAQ Internetauftritt

Vorteile: digitale Spuren bewusst setzen                                 Themen-Überblick