Die Willkür des Staates
Was kennzeichnet den Staat?, fragt Stephan Hensell in seiner Dissertation über die Transformation in Osteuropa. Auf welchen historischen Voraussetzungen beruht er, und wie lässt sich seine heutige Herrschafts- und Verwaltungspraxis charakterisieren? Die Arbeit ist unter dem Titel „Die Willkür des Staates. Herrschaft und Verwaltung in Osteuropa” im VS-Verlag erschienen.
Das Buch analysiert die historische Formierung des Staates und seine Organisationswirklichkeit nach dem Systemwechsel. Unter Rückgriff auf Theorien Max Webers und Pierre Bourdieus entwickelt der Autor Ansätze zu einer politischen Soziologie des Staates. Der post-sozialistische Staat, so die zentrale These, folgt einer patrimonialen Logik. In Politik und Verwaltung dominieren Praktiken der Missachtung und Umgehung legaler Regeln, die eine „Willkür des Staates“ zur Folge haben. Zum Ausdruck kommt dies in der Machtfülle einzelner Amtsträger, im Klientelismus und in der privaten ökonomischen Verfügung über öffentliche Positionen. Zwei empirische Fallstudien zu Albanien und Georgien belegen diese Annahme. Dabei steht die öffentliche Verwaltung im Mittelpunkt, die anhand der Polizeiapparate in beiden Ländern detailliert untersucht wird.
Dr. Stephan Hensell ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) am Institut für Politikwissenschaft sowie Research Fellow am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an
der Universität Hamburg. Zur Homepage des VS-Verlags.


