StarG - Sturmfluten als regionale Geohazards
Langzeitanalyse des öffentlichen Diskurses von regionalen Geohazards in Medien, Politik und Bevölkerung am Beispiel Hamburgs seit 1962
Flexible Pool-Projekt im Rahmen des Exzellenzclusters "Integrated Climate System Analysis and Prediction" (
CliSAP)

- commons.wikimedia.org wiki/Category:North_ Sea_flood_of_1962
Sturmflut Hamburg 1962
Die Sturmflut im Februar 1962 mit ihren katastrophalen Auswirkungen war einerseits ein traumatisches Erlebnis für die Stadt Hamburg, so waren allein 315 Todesopfer zu beklagen. Andererseits sind Sturmfluten eine ständige und der Bevölkerung stets gegenwärtige Bedrohung an der deutschen Nordseeküste und an der Unterelbe. Unter regionalen Geohazards wird eine durch physisch-geographische Ereignisse und Umstände gegebene Bedrohung der Gesellschaft in einer bestimmten Region verstanden. Sturmfluten sind regionale Geohazards, die für Hamburg und die norddeutsche Küste typisch sind. Der traumatische Schock von 1962 löste eine technologisch orientierte Lösungsstrategie aus. Der Sturmflutschutz wurde verstärkt. Diese Strategie hat sich bei folgenden Sturmfluten als durchaus erfolgreich erwiesen und wird bis heute in der Bevölkerung als sinnvoll akzeptiert. Das Gefühl der Sicherheit ist so groß, dass das mit besonderem Prestige versehene, seit 1996 initiierte und 2000 vom Hamburger Senat beschlossene Entwicklungsprojekt HafenCity jenseits der innerstädtischen Flutschutzbereiche angesiedelt werden konnte. Auf der anderen Seite hat die Zahl an Sturmfluten seit 1962 stark zugenommen. Für dieses Phänomen wird in der Öffentlichkeit auch der globale Klimawandel zur Erklärung herangezogen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die regionalen Auswirkungen des Klimawandels wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt sind und regionale Geohazards neu bewertet werden müssen.
Das Forschungsprojekt rekonstruiert den gesellschaftlichen Umgang mit Sturmfluten am Beispiel der Sturmflut im Februar 1962 in Hamburg und soll folgende Fragen beantworten:
- Hat sich die kollektive Erinnerung an das Ereignis Sturmflut 1962 im Rahmen der aktuellen Klimadiskussion verändert?
- Welche Rolle spielen mediale Konstruktion von Krisenereignissen und mediale Erinnerungsarbeit bei der Transformation der kollektiven Erinnerung an das traumatische und potenziell wiederkehrende Ereignis regionaler Geohazard?
In dem interdisziplinär angelegten Projekt sind Konzepte der Sozialgeographie und der Kommunikationswissenschaft vereinigt:
- Regionale Geohazards: nichtlineare Interaktion von Gesellschafts- und Natursystem. Für die Bewältigung dieser Ereignisse sind „Agenten“ prägend.
- Öffentlicher Diskurs zu regionalen Geohazards, im Wesentlichen aus vier Strängen und ihrem zirkulären, interagierenden Zusammenspiel konstituiert: a) wissenschaftliches Wissen zum regionalen Klima und zu regionalen Geohazards, b) Wissen und Handeln in Politik und Verwaltung, c) mediale Konstruktion und Verarbeitung des wissenschaftlichen und politischen Wissens und d) Bevölkerungswahrnehmung und -deutung von regionalem Klima und Geohazards auf der Basis von unmittelbarer Erfahrung und medialer Vermittlung.
- Soziales Gedächtnis: kollektive Erinnerung an das traumatische Ereignis, Verselbständigung und Transformation der Erinnerung im Laufe der Zeit (40 Jahre) durch Entflechtung von Ereignis und dahinter stehender Probleme.
In einer Langzeitanalyse werden die Diskurse verschiedener Ebenen untersucht und in Beziehung gebracht: Medien, Politik, Verwaltung und Bevölkerung. Ausgangspunkt ist die Sturmflut von 1962. Die Analyse verfolgt die weitere Entwicklung des Diskurses an Hand von Jahrestagen bzw. Jubiläen der Katastrophe, nachfolgenden Sturmfluten in Hamburg sowie geografisch weit entfernt stattfindenden Ereignissen mit ähnlichen Auswirkungen. Ein anderer Fokus liegt auf den politischen Entscheidungen und dem öffentlichen Diskurs zur HafenCity.
Projektstart: 1. Juli 2009
StarG Nord
StarG Nord konzentriert sich auf die Niederlande und die so genannte "Hollandflut" vom 1. Februar 1953. Die Hollandflut forderte landesweit ca. 2.000 Menschenleben, die meisten davon in der Provinz Zeeland. In Anlehnung an das Forschungsdesign von StarG wird die Entwicklung des Diskurses über die Sturmflut von 1953 in den Bereichen Medien, Politik und Bevölkerung untersucht. Auf diese Weise wird StarG erweitert und gleichzeitig wird ein Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden möglich.
Projektstart: 1. Juli 2010
Personen / Staff
Projektleitung:
Prof. Dr. Irene Neverla, Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft
Prof. Dr. Beate M. W. Ratter, Institut für Geographie
Stellvertr. Projektleitung, Projektkoordination und Kontakt:
Dr. Corinna Lüthje, Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft
e-mail
ProjektmitarbeiterInnen:
Dipl. Geogr. Nicole Kruse, Institut für Geographie
Dipl.-Journ. Stefanie Trümper M.A., Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft (StarG Nord)
Shameem Mahmud MA, Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft und University of Dhaka (Bangladesh)
Studentische MitarbeiterInnen:
Anna-Katharina Ficht BA
Jonas Kaiser
Christian Roggenbuck
Elisabeth Weidinger
Kodierteam:
Dagmar Bartosch
Lina Beyer
Sonya Herrmann
Saskia Schauer
Working Paper
Working Paper 1: Sharing and shaping collective memory
Working Paper 2: Conceptualizing the interconnected agents of collective memory between mediated discourse and conversation
Publikationen / Publications
Ratter, B. (Hg.) (2009): Küste und Klima (Hamburger Symposium Geographie, Band 1). Hamburg.
Ratter, B. / Lange, M. / Sobiech, C. (2009): Heimat, Umwelt und Risiko an der deutschen Nordseeküste - Die Küstenregion aus Sicht der Bevölkerung. GKSS Bericht 10. Geesthacht. 
http://www.gkss.de/nordseestudie.
Ratter, B. / Kannen, A. (2009): Integriertes Küstenzonenmanagement als Instrument zur Anpassung an den Klimawandel. In: H. v. Storch und M. Claußen (Hg.): Klimabericht für die Metropolregion Hamburg/Norddeutschland. Hamburg, S. 370-376.
Neverla, I. / von Storch, H. (2010): Wer den Hype braucht. In: Die Presse, Printausgabe vom 24.07.2010,
Online-Publikation.
Publikationen in Vorbereitung:
Ratter, B.: Surprise and uncertainty - the theory of complexity and its contribution to hazard research. In: D. Müller-Mahn (Hg.): The Spatial Dimension of Risk. How geography shapes the emergence of riskscapes. Earthscan.
Ratter, B.: Complexity and Emergence - key concepts in non-linear dynamic systems. In: M. Glaser et.al: Human/Nature Interactions in the Anthropocene: Potentials of Social-Ecological Systems Analysis. München.
Neverla, I.: Differences within Public Spheres in European Democracies. On the national domestication of global climate change and weather extremes in European countries. In: Landfried, Christine et al. (eds.): Difference and Democracy. (To be published in December 2010, Nomos Verlag, Baden-Baden)
Neverla, I. / Mahmud, S. / Lüthje, C. : Communicating climate change in Bangladesh: challenges and opportunities for mass media. (Under review to be published as proceedings of RUC Sunrise Triple C Conference: Climate – Change – Communication, Roskilde University, 2010)
Neverla, I. / Lohner, J. / Lüthje, C. : Das IAT-Modell der Invention-Adaption-Transformation. Zur Themendiffusion am Beispiel der medialen Konstruktion von Klimawandel. (Under review to be published in Publizistik, Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung)
Neverla, I. / Lüthje, C.: The transforming perception of a regional geohazard between coastal defence and mediated discourse on global warming: Storm surges in Hamburg, Germany. In: Advances in Geosciences. (Eingeladener Beitrag zur 6th AvHumboldt-Konferenz-Sonderausgabe, Abgabe: September 2010, peer-review)
Neverla, I. / Schäfer, M. (eds.): Klimawandel in den Medien. Ein Überblick zu Fragen und Befunden der kommunikationswissenschaftliche Klimaforschung. (With 20 articles to be published in June 2011, VS Verlag Sozialwissenschaften, Wiesbaden).
Darin u.a.: Lüthje, C.: Rückwirkungen der Klimaberichterstattung auf das Management regionaler Hazards.
Ratter, B. / Kruse, N.: Die nächste Sturmflut kommt bestimmt - Risiko und Risikobewusstsein in Hamburg in Zeiten des Klimawandels. In: Böhner, J. (Hg.): Hamburger Symposium Geographie, Band 2, Hamburg. (Im Druck)
Aktuelle Präsentationen / Presentations
Neverla, I. (2009): Climate change – a global topic or a topic of global divide in the public sphere? IAMCR Annual Conference, Working Group „Environmental Issues, Science and Risk Communication“ in Stockholm, 25. Juni 2009
Ratter, B. (2009): People's perception of natural hazards. 6th International SedNet conference "The Role of Sediments in Coastal Management" in Hamburg, 8. Oktober 2009.
Neverla, I. (2009): Reporting on Climate Change and Weather Extremes. Symposium „Dissent is the Motor of further Development – Public Perception of Climate Change and the Statistical Analysis of Climatological Data and Simulation” in Hamburg, 29. Oktober 2009.
Lüthje, C. (2009): Sharing and shaping collective memory. The transforming perception of storm surges as regional geohazards in the mediated discourse on global warming. Global Dialogue Conference "Responsibility across borders? Climate Change as Challenge for Intercultural Inquiry on Values" in Aarhus (Dänemark), 4. November 2009. (Working Paper 1)
Neverla, I. (2009): Differences within Public Spheres in European Democracies: On the national domestication of global climate change and weather extremes in European countries. Symposium „Difference and Democracy“ in Hamburg, Warburg-Haus, 14. November 2009.
Ratter, B. (2009): Cognitive and technical adaptation - strom surge protection measures in times of climate change. International Conference "Urbanization, Hazards and Sustainable City Governance" in Taipei (Taiwan), 4.-6. Dezember 2009.
Lüthje, C. (2009): Conceptualizing the interconnected agents of collective memory between mediated discourse and conversation. ECREA Philosophy of Communication Conference „Communication and Memory” in London, 10. Dezember 2009. (Working Paper 2)
Neverla, I. / Lüthje, C. (2010): Soziales Gedächtnis und soziale Erinnerung in tagesaktuellen Medien und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen: Gruppendiskussionen in der dokumentarischen Methode in Kombination mit Diskursanalyse als Instrument der Untersuchung einer zeitbasierten Rezeptionsdimension am Beispiel von regionalen Geohazards. Tagung der Fachgruppe Rezeptions- und Wirkungsforschung „Rezeption und Wirkung in zeitlicher Perspektive“ in der DGPuK in Berlin vom 29.-30. Januar 2010.
Ratter, B. (2010): Heimat, Umwelt, Risiko - Wahrnehmungen der Nordseeküste. Symposium Küstenwandel als kulturelle und soziale Herausforderung. In List auf Sylt vom 25.-28. Februar 2010.
Neverla, I. / Lüthje, C. (2010): The transforming perception of a regional geohazard between coastal defence and mediated discourse on global warming: Storm surges in Hamburg, Germany. 6th Alexander von Humboldt International Conference „Climate Change, Natural Hazards, and Society“ in Merida (Mexiko), 14.-19. März 2010.
Neverla, I ./ Lüthje, C. / Mahmud, S. (2010): Climate change communication in Bangladesh: an analysis of national strategy and action plan for climate change adaptation and its integration with media communication. RUC Sunrise Triple C Conference: Climate - Change - Communication in Roskilde (Dänemark), 22.-24. 2April 010.
Neverla, I. (2010): Media Coverage on Climate Change. The journalistic and audience perspective. A State of Research Report. Global Media Forum, Deutsche Welle in Bonn, 23. Juni 2010.
Akzeptierte Vorträge/Präsentationen:
Ratter, B. / Neverla, I. / Lüthje, C. (2010): Hamburg 1962 then and now - a memory career of a regional geohazard. Storm Surges Congress 2010 "Risk and Management of current and future Storm Surges" in Hamburg, 13.-17. September 2010.
Ratter, B. / Kruse, N. (2010): Hazard memories and the importance of risk awareness for current adaptation strategies. Storm Surges Congress 2010 "Risk and Management of current and future Storm Surges" in Hamburg, 13.-17. September 2010.
Neverla, I. / Lüthje, C. (2010): From natural disaster to regional geohazard: Environmental journalism and social memory. 3rd European Communication Conference (ECREA) "Transcultural Communication - Intercultural Comparisons" in Hamburg, 12.-15. Oktober 2010.
Weitere Aktivitäten / Further Activities
Konferenzorganisation:
Communicating Climate Change II: Global goes Regional (Preconference zur 3rd European Communication Conference (ECREA) in Hamburg, 11.-12. Oktober 2010.





