
Prof. Dr. Irene Neverla
Forschungsprojekt: Servicejournalismus in regionalen Tageszeitungen
Die Frage nach der Funktion der Medien wurde lange Zeit ausschließlich mit den Bereichen Information und Unterhaltung beantwortet. In den vergangenen Jahren ist jedoch die Ratgeberfunktion der Medien stärker in den Vordergrund getreten. Wissenschaftliche Untersuchungen beschränken sich bislang vor allem auf Fernsehformate und Publikumszeitschriften, die ihren Rezipienten in verschiedensten Lebensbereichen beratend zur Seite stehen – sei es in Gesundheitsfragen, bei der Geldanlage oder bei der Umsetzung neuester Modetrends. Nicht geklärt ist bis heute, wie Tageszeitungen diese Ratgeberfunktion erfüllen. Im Gegensatz zu Special-Interest-Formaten müssen sie ein breites Publikum ansprechen und somit auf verschiedenste Bedürfnisse reagieren.
An dieser Stelle setzt das vorliegende Forschungsprojekt an. Es soll klären, welchen Service regionale Tageszeitungen ihren Lesern anbieten und welcher Stellenwert diesem Bereich innerhalb der Redaktionen zugesprochen wird.
Inhalt und Gestaltung
Erste Aufgabe des Forschungsprojekts ist es herauszufinden, welche Themen auf den Serviceseiten regionaler Tageszeitungen behandelt werden. Themenkomplexe und Unterthemen werden daher auf Umfang und Aufbereitung hin untersucht. Zusätzlich ist es von Interesse, ob für Servicethemen vorrangig Agenturtexte verwendet werden oder die Redaktionen eigene Texte produzieren; und in welcher Art die Serviceseiten visuell gestaltet sind, etwa durch den Ein-satz von Infokästen und Grafiken sowie die Fotogestaltung.
Redaktionelle Organisation
Aufschluss über den Stellenwert des Servicejournalismus in regionalen Tageszeitungen bietet die Art der redaktionellen Organisation. Hierbei ist besonders interessant, wie Medienmacher die Zukunft der Servicethemen beurteilen. Wird die Ratgeberfunktion innerhalb der Redaktion wachsende Beachtung finden? Ist in naher Zukunft vielleicht sogar ein eigenständiges und fest integriertes Ressort Service/Ratgeber denkbar? In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Definition einer Ressortkompetenz Servicejournalismus, welche bisher nur vage abgesteckt ist.
Methode
In diesem empirischen Forschungsprojekt werden sowohl quantitative als auch qualitative Methoden eingesetzt, um eine umfassende Beantwortung der Forschungsfragen zu ermöglichen. Inhalt und Gestaltung der Serviceseiten werden erfasst anhand einer quantitativen In-haltsanalyse mit qualitativen Komponenten. Zusätzlich sollen drei bis fünf qualitative Leitfadeninterviews mit Verantwortlichen ausgewählter regionaler Tageszeitungen die redaktionelle Organisation und Arbeitsabläufe klären.
Sample
Um die Themenstruktur der Serviceseiten repräsentativ Abbilden zu können, werden mög-lichst viele Tageszeitungen in die Inhaltanalyse einbezogen. Bisher ist die Analyse von rund 60 regionalen Tageszeitungen geplant, was etwa der Hälfte aller ‚Publizistischen Einheiten’ in Deutschland entspricht. Der Erhebungszeitraum beträgt drei Wochen. Die Tageszeitungen werden jeweils eine Woche im Juli, September und November 2006 erhoben, um saisonale Unterschiede berücksichtigen zu können. Mit diesem Sample handelt es sich beim vorliegen-den Forschungsprojekt um eine Querschnittsanalyse regionaler Tageszeitungen. In einer Feinanalyse werden dann die gestalterischen Aspekte der Serviceseiten betrachtet.
Projektleitung
Das Projekt wird von Prof. Dr. Irene Neverla in Zusammenarbeit mit der dpa infocom, Hamburg, geleitet. Projektmitarbeiterin ist Melanie Kamann.


