Modulbeschreibung

Kreditpunkte (ECTS):
12 KP

Dauer der Moduls:
2-3 Semester

Lernergebnisse:
Das Modul 2 vermittelt den Studierenden breit gefächerte Kenntnisse der unterschiedlichen nationalen sowie der europäischen arbeits-, sozial- und regionalpolitischen Regulierungssysteme und deren Wechselwirkungen.
Dadurch werden die Studierenden in die Lage versetzt, die Beziehungen zwischen Arbeitsrechtssystemen, Systemen industrieller Beziehungen und sozialpolitischer Regulierungsssysteme (steuer- oder beitrags- und privatfinanzierte Systeme) in ihrer Effektivität wie auch ihrer verteilungspolitischen Wirkung zu begreifen und zu bewerten.
Darüber hinaus spielt der Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit und der Antidiskriminierung eine zentrale Rolle im Wertesystem der Europäischen Union, was die Studenten mittels der europäischen Rechtssprechung und der politischen Umsetzung in der europäischen Arbeits- und Sozialpolitik im nationalen und internationalen Rahmen kritisch bewerten sollen.
Auf Grund der zunehmenden Überalterung der europäischen Gesellschaften wird die Migrations- und Integrationspolitik der EU gesondert hervorzuheben sein, was es den Studierenden ermöglichen soll, momentane und zukünftige Auswirkungen der Migration und die Anforderungen an eine erfolgreiche Integration evaluieren zu können.

Anhand der Analyse der vorangehenden Themenkomplexe wird jeder Modulteilnehmer den Zusammenhang zwischen europäischen und außereuropäischen sozialen Schutz- und Verteilungsmechanismen beurteilen können und darauf basierend fundierte Einschätzungen von Gestaltungsfeldern und -alternativen vornehmen können.
Am Ende des Moduls werden die Studierenden das notwendige Zusammenspiel ökonomischer, soziologischer, politikwissenschaftlicher sowie politphilosophischer und rechtlicher Erkenntnisquellen einschätzen und praktisch anwenden können.

Inhalte:
Europäische Arbeits- und Sozialbeziehungen werden in diesem Modul in drei Dimension vermittelt: zum einen die Beziehungen in  der Europäischen Union (Vielfalt und Differenz der Systeme), als Arbeits- und Sozialbeziehungen der EU (europäische und supranationale Akteursbeziehungen und Politiken in Querverbindung zu Modul 1) und als Beziehungen jenseits der EU (als „soziale Außenpolitik“ der EU in die OECD- und Nicht-OECD-Welt als Querverbindung zu Modul 3).

Auf allen Ebenen werden ökonomische Grundlagen, soziale Lebenslagen und ökonomisch-politische Organisationsformen sowie intermediäre und staatliche Regulierungssysteme und -inhalte in ihrer Unterschiedlichkeit und wechselseitigen Ergänzung dargestellt und analysiert. Die Governance unterschiedlicher Ebenen wird sowohl theoretisch als auch empirisch erschlossen. Zudem wird die wachsende Komplexität arbeits- und sozialpolitischer Regulierung unter den Bedingungen globaler werdender internationaler, supranationaler und transnationaler Beziehungen  reflektiert und veranschaulicht. Am Beispiel der Globalisierung werden die Mobilitätsprozesse und -bereitschaft von Kapital und Beschäftigten gegenübergestellt und auf soziale Wirkungen hin befragt.
Die Querverbindungen sowohl zu den anderen Modulen als auch der Disziplinen innerhalb des Moduls werden durch entsprechende Literaturauswahl und durch methodisch-transdisziplinäre Anleitungen und Übungen sichtbar und handhabbar gemacht. Zu den erörterten Problemstellungen werden Lösungsmöglichkeiten vorgestellt und kritisch interpretiert, die den eigenen Handlungsrahmen von Akteuren (wie etwa auch der Studierenden) mitdenken lassen. Deshalb wird didaktisch in systematischer Art und Weise auf die je unterschiedlichen fachlichen und territorialen Voraussetzungen der divers zusammengesetzten Veranstaltungen zurückgegriffen – was insbesondere durch Referate und Planspiele in das Kursgeschehen eingeplant ist.

Lehrformen:
Siehe Beschreibung der zugehörigen Veranstaltungen.

Zusammenhang mit anderen Modulen:
Das Modul 2 ist in besonderer Weise profilbildend, weil es erstens die Vielfalt sozialer Regulierung als in ökonomische und politische Strukturen eingebettet behandelt, zweitens damit auch die Fruchtbarkeit arbeits- und sozialpolitischer Maßnahmen für die politische Integration wie auch die ökonomische Innovationskraft von unterschiedlichen Gemeinwesen sichtbar macht. Es stellt dem vielfach zu verzeichnenden Entweder-Oder-Denken zwischen sozialer, politischer und ökonomischer Integration ein fundiertes Sowohl-Als-Auch-Denken gegenüber. Damit wird der Zusammenhang mit Modul 1 deutlich. Indem sich dieser sozialökonomische Zugang aber auch einem Euro-Zentrismus widersetzt, profiliert er zugleich – in Korrespondenz zu Modul 3 – einen kosmopolitischen Zugang zu den Gestaltungsräumen der aufkommenden Weltgesellschaft. Damit weitet er die Anwendungsfelder von Modul 8 als auch besonders von Modul 9 (Praktikum) erheblich aus: für beide erschließen sich akademisch hochqualifizierte und doch praxisgerichtete Erfahrungs- und Vertiefungschancen für die Einbettung arbeits- und sozialpolitischer Gestaltung in den ökonomischen Leistungs- und politischen Ordnungsrahmen.

Prüfungsformen:
Modulteilprüfungen in den zugehörigen Veranstaltungen.


Literatur:
Currle, E. (2004) Migration in Europa. Daten und Hintergründe (Stuttgart: Lucius & Lucius).
Esping-Andersen, G. (1997) The Three Worlds of Welfare Capitalism (Cambridge: Polity Press).
Ferner, A. und R. Hyman (Hrsg.) (2001) Changing Industrial Relations in Europe, 2. Aufl. (Oxford: Blackwell).
Geddes, A. (2003) The Politics of Migration and Immigration in Europe (London: Sage).
Hall, P. und D. Soskice (eds.) (2001) Varieties of Capitalism (Oxford: OUP).
Hepple, B. (2005) Labour Laws and Global Trade (London: Hart).
Hoffmann, J. (2006) Arbeitsbeziehungen im Rheinischen Kapitalismus (Münster: Westfälisches Dampfboot).
Wallace, Pollack and Young (eds.) (2010) Policy-Making in the European Union, 7th ed. (Oxford: OUP).