Workshop Präsenz und Repräsentation

 Mittwoch, 18.01.2012, 9:30 Uhr bis 16:30 Uhr
Uni Hamburg, Fachbereich Sozialökonomie
Welckerstraße 8, Raum 2.16
 

Ein Produkt der sozialen Bewegungen der 1960er Jahre waren Ansätze einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Forschenden und Beforschten. In der Arbeits- und  Gewerkschaftsforschung wurde diese Neubestimmung von der Frage geleitet, in welchem Verhältnis Forschende zu den von ihr befragten Arbeitenden und den von ihnen untersuchten Arbeitsverhältnissen stehen sollen. 

Aus dieser Reflexion entstand eine auf Mit-Forschung angelegte Strategie, in der die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit auch gemeinsam reflektiert und in emanzipatorischer, das Lohnarbeitsverhältnis transzendierender Absicht genutzt werden sollten.

In den 1970er und 1980er Jahren setzten sich in der bundesdeutschen Arbeitssoziologie pragmatisch ausgerichtete Ansätze durch, die zur »Humanisierung der Arbeitswelt« beitragen wollten. Die Zurückdrängung des Normalarbeitsverhältnisses, neue Formen der Arbeitsorganisation und nicht zuletzt auch die veränderte Rolle der Gewerkschaften haben auch diese Setzung mittlerweile in Frage gestellt.

Zugleich hat unter dem Eindruck der aktuellen Verwerfungen auch eine (Wieder-)Entdeckung der LohnarbeiterInnen und ihrer Organisationen durch die sozialwissenschaftliche Forschung stattgefunden.

Was können vor diesem Hintergrund Ansprüche wie die von der »Subjekt-Werdung« und »Selbstermächtigung« der Beforschten, ein normativ geprägtes Interesse an Arbeitskämpfen oder Konzeptionen wie die in der neuen Frauenbewegung geprägte »Erinnerungsarbeit« bedeuten? Welche sozialen und politischen Ansprüche formulieren WissenschaftlerInnen heute an ihre Forschungsarbeit? Welche institutionellen Grenzen haben aktuelle Projekte, auch und insbesondere im Feld der Gewerkschaftsforschung? Und gibt es gegebenenfalls neue, so genannte hybride Formen, die die forschende Arbeit bereichern können?

Programm

9.30 Uhr Eröffnung

9.45 – 11.15 Arbeitsforschung als »Aktionsforschung«?

Julika Bürgin (Frankfurt/M.)
Über Schwierigkeiten und begrenzte Möglichkeiten, subjektwissenschaftlich zu forschen       Abstract

Berit Schröder (Berlin)
»Was wäre gewesen, wenn …«
Warum das konventionelle Forschungsvorgehen der Aktionsforschung häufig vorgezogen wird       Abstract

11.30 – 13.00 Subjektpositionen in Arbeitskämpfen

Peter Birke (Universität Hamburg)
Von der témoignage zur grauen Literatur. Sprechen und Repräsentieren in (historischen) Arbeitskämpfen    Abstract

Heiner Dribbusch (WSI, Düsseldorf)
Perspektiven der aktuellen Streikforschung     Abstract

14.15 – 16.00 Arbeitssoziologie und Gewerkschaftsforschung

Nicole Mayer-Ahuja (SOFI, Universität Göttingen)
Forschung für wen? Arbeitssoziologie zwischen Beobachtung, Co-Management und Gesellschaftskritik     Abstract

Oliver Nachtwey (Universität Trier)
Beobachtung der Beobachter: Gewerkschaftsforschung zwischen stiller  Teilnahme und Intervention      Abstract

16.00 – 16.30 Abschlussdiskussion

Harry Friebel (Universität Hamburg)
Zusammenfassung und Einführung

Anmeldungen bitte bis zum 08.01.2012 an Kathrin Deumelandt

Eine gemeinsame Veranstaltung des WSI der Hans-Böckler Stiftung 


   und des ZÖSS