Prof. Dr. Siegfried Landshut (1951-1965) †
Landshut gilt als Mitbegründer der Politischen Wissenschaft in Deutschland und kehrte nach langen Jahren des Exils an die Hamburger Universität zurück, wo er der erste Inhaber des Lehrstuhls für die „Wissenschaft von der Politik” wurde. Er beschäftigte sich u.a. mit den philosophischen Frühschriften von Karl Marx und dessen Entfremdungsbegriff und mit Tocquevilles Werk. Politik war für ihn eine praktische, am Gemeinwohl orientierte Wissenschaft. Der Moderne, weil sie zu einer Spaltung zwischen Gesellschaft und Staat geführt hätte, und ihrem Fortschrittsglauben stand er kritisch gegenüber. Seinen Schülern blieb Landshut als enthusiastischer und engagierter Lehrer in Erinnerung.
Prof. Dr. Wilhelm Hennis (1962-1967)
Hennis arbeitete in den Aufbaujahren der Bundesrepublik als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die SPD, kam dann als Professor nach Hamburg und wechselte anschließend an die Universität Freiburg. Stets setzt er sich kritisch mit dem parlamentarischen System und den Parteien der Bundesrepublik auseinander. Auch der Hochschulpolitik gilt sein kritisches Interesse. Hohe Bedeutung misst er aber auch der Auseinandersetzung mit den Klassikern der Politischen Theorie bei, vor allem mit dem Werk Max Webers.
Prof. Dr. Winfried Steffani (1968-1990) †
Zentrales Thema Steffanis war die Ausgestaltung und Weiterentwicklung der pluralistischen, parlamentarischen Demokratie. Seine Kriterien von präsidentiellen und parlamentarischen Regierungssystemen sind bis heute maßgeblich.Auch in der praktischen Politik war er aktiv - Steffani galt als „CDU-Rebell”, der gegen die maßlosen Herrschaftspraktiken des CDU-Führungszirkels kämpfte. Demokratie begann für ihn mit der Einführung des Frauenwahlrechts, auch für das Wahlrecht ab Geburt wurde er aktiv.
Prof. Dr. Hans Peter Schwarz (1966-1973)
Im Mittelpunkt des Werkes des Politikwissenschaftlers und Zeithistorikers steht die Biographie Konrad Adenauers. Schwarz setzte sich mit der Rolle Adenauers in der Nachkriegspolitik intensiv auseinander und belebte so das Genre der historischen Biographie. Er beschäftigte sich auch intensiv mit der deutschen Außenpolitik. Politisch konservativ, lehnte er den KSZE-Prozeß ab und plädierte für eine starke Einbindung der Bundesrepublik in das transatlantische Bündnis, verbunden mit einer „verantwortbaren Machtpolitik”.
Prof. Dr. Udo Bermbach (1971-2001)
Bermbach widmete sich in Lehre und in der Forschung sowohl der Politischen Ideengeschichte seit der Frühen Neuzeit (Schwerpunkte: Hobbes, Schottische Moralphilosophie, Kant, Hegel, Marx, dt. Staatsrechtslehre 20. Jhdt.) als auch der modernen Politischen Theorie mit den Schwerpunkten Demokratietheorie und Kritische Theorie. Seine sechssemestrige Einführungsvorlesung in die Geschichte politischen Denkens war eine Grundkonstante des IPW-Lehrprogramms. Auf besondere Resonanz stieß Bermbachs Hinwendung zum Thema Politik, Gesellschaft und Musiktheater; Richard Wagner, Werk und politische Rezeption.
Prof. Dr. Günter Trautmann (1972-2001) †
Trautmann vertrat in Forschung und Lehre den Teilbereich Politische Theorie und setzte sich sehr engagiert für den internationalen Studierendenaustausch im Rahmen des Erasmus-Programms ein. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung waren die Regierungssysteme Italiens sowie Osteuropas und die Transitionsforschung, wobei er den Übergang der Systeme vom realexistierenden Sozialismus zur Demokratie intensiv begleitete.
Prof. Dr. Hans-Hermann Hartwich (1973-1992)
Nach längerem Wirken an der FU Berlin kam Hartwich an das IPW, an dessen Studien- und Prüfungsordnungen er maßgeblich mitwirkte. Er trat stets für eine praxisnahe und interdisziplinäre Wissenschaft ein - zentrale Themen sind für ihn u.a. der soziale Rechtsstaat, Grundgesetz und Wirtschaftsordnung sowie Technikfolgen und Umwelt. Die Policy-Analyse und die Stärkung der handlungstheoretischen Position sind weitere wissenschaftliche Schwerpunkte Hartwichs.
Prof. Dr. Klaus Jürgen Gantzel (1975-1998)
Gantzel gründete die Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, die der ständigen Beobachtung und Analyse des weltweiten Kriegsgeschehens dient. So entstand u.a. eine Dokumentation sämtlicher Kriege seit dem Zweiten Weltkrieg. Die zugehörige Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung am IPW bietet Studierenden beispielhaft die Möglichkeit, forschungspraktische Erfahrung zu sammeln, weshalb Klaus Jürgen Gantzel der Fischer-Appelt-Preis verliehen wurde. In theoretischer Hinsicht fühlt sich Gantzel der Tradition Karl W. Deutschs verpflichtet.
Prof. Dr. Joachim Raschke (1975-2001)
Raschke lehrte und forscht im Bereich der Regierungslehre/Bundesrepublik Deutschland und hier mit besonderem Schwerpunkt auf dem deutschen Parteiensystem. Er begleitete die Entstehung neuer sozialer Bewegungen, v.a. der Grünen von ihren Anfängen als Friedens- und Ökologiebewegung bis hin zur Übernahme von Regierungsverantwortung. Seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Berater und Wahlkommentator in Rundfunk und Printmedien spiegelte sich in seinen aktualitätsbezogenen, praxisnahen Lehrveranstaltungen.


