Sozialökonomie - ein Zukunftsprojekt

Tagung am 7./8. November in Hamburg

ESA West (Edmund-Siemers-Allee 1), Raum 221

Finanzialisierung, Prekarisierung, Beschleunigung, gesellschaftliche Spaltung... Die Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht vor einer Fülle von Problemen, die nach qualifizierten Lösungen verlangen. Für die Wissenschaft bedeutet das, in zweierlei Hinsicht alte Schranken zu überwinden. Zum einen die Schranken zwischen Fachdisziplinen, die sich jeweils auf die Analyse eines Ausschnitts der politischen, ökonomischen oder gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse konzentrieren, deren konfliktreiches Zusammenwirken erst die Dynamik und Sprengkraft gegenwärtiger Entwicklungen begründet. Zum anderen geht es um Schranken, welche die Mobilisierung all jener Kreativität und Qualifikation verhindern, die dringend gebraucht werden, um den zerstörerischen Tendenzen Einhalt zu gebieten, die heute das (gute) Leben von Menschen in Frage stellen. Die Sozialökonomie erhebt den Anspruch, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Seit Max Weber 1909 in seinem Grundriss der Sozialökonomik auf die engen Wechselwirkungen zwischen ökonomischen und außerökonomischen Faktoren hingewiesen und ihre interdisziplinäre Erforschung eingefordert hat, ringen SozialökonomInnen um Interdisziplinarität in einer Wissenschaftslandschaft, die in zunehmendem Maße vor allem enge fachliche Spezialisierung belohnt. Und sie tun dies (etwa in Hamburg) mit dem expliziten Ziel, gerade auch Menschen, für die höhere Bildung kein Erbrecht ist, mit dem notwendigen Wissen und den (auch beruflich) relevanten Qualifikationen auszustatten, um die spannungsreiche sozioökonomische Konstellation, in der wir leben, angemessen zu analysieren und (wo nötig) zu verändern. Einem solchen Anspruch gerecht zu werden, ist alles andere als leicht, und die selbstgesteckten Ziele sind keineswegs erreicht. Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens lädt das Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) am Fachbereich Sozialökonomie all jene zur Diskussion ein, die sich dem Zukunftsprojekt Sozialökonomie von unterschiedlichsten theoretischen, empirischen und politischen Positionen aus verpflichtet fühlen.

Programm

Freitag, 7.11.2014, 9:00 – 18:45 Uhr

9:00 – 9:30 Uhr Begrüßung und Eröffnung durch Prof. Dr. Arne Heise (ZÖSS)

9:30 – 11:15 Uhr „Sozialökonomische Selbstbeschreibung und Abgrenzung“ I

  • Prof. Dr. Gertraude Mikl-Horke (Wirtschaftsuniversität Wien): Zur Abgrenzung von Sozialökonomie, Sozioökonomie, social economics
  • Prof. Dr. Claus Offe (Hertie School of Governance Berlin): Wirtschaftswachstum vs. Wohlergehen? Sozialökonomische Aspekte zur Klärung ihres Verhältnisses
  • Prof. Dr. Andrea Maurer (Universität Trier): Wirtschaft und Gesellschaft zusammendenken? Neue Forschungsperspektiven der Sozioökonomie

 11:30 – 13:15 Uhr „Sozialökonomische Selbstbeschreibung und Abgrenzung“ II

  • Prof. Dr. Michael Brie (IfG Berlin): Die gesellschaftliche Transformation als sozialökonomisches Projekt. Von den Schwierigkeiten, die Dominanz der kapitalistischen Ökonomie über Wirtschaft und Gesellschaft zu überwinden
  • Prof. Dr. Jürgen Beyer (Universität Hamburg): Performative Sozialökonomie? Über die gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher Konzepte
  • PD Dr. Ralf Ptak (KDA Nordkirche/Universität Köln): Sozialökonomie als zukunftsorientierter Ansatz einer heterodoxen Wirtschaftswissenschaft

14:45 – 16:30 Uhr „Sozialökonomische Theorieansätze I“

  • Prof. Dr. Heinz Rieter (Universität Hamburg): Eduard Heimanns Konzeption der Sozialökonomie
  • Dr. Stefan Kesting (University of Leeds):  Die Rückkehr der Jedi-Ritter: Eine kritische Bilanz von Etzionis Beitrag zur Sozialökonomie
  • Dr. Sebastian Thieme (ZÖSS): Integratives Wirtschaftsstildenken. Über den sozialökonomischen Charakter und das integrative Potenzial des Wirtschaftsstilkonzepts von Arthur Spiethoff

17:00 – 18:15 Uhr „Sozialökonomische Theorieansätze II“

  • Boris Nezameddini (ZÖSS, MA AWG): Die Regulationstheorie als sozialökonomisches Forschungsprojekt
  • Dr. Ingo Techmeier (Berlin): Normative Aspekte der neoklassischen Ökonomik: Die Notwendigkeit einer sozialökonomischen Alternative

18:15 – 18:45 Uhr Grußwort

  • Dr. Dorothee Stapelfeld (Senatorin für Wissenschaft und Forschung): Die Bedeutung der Sozialökonomie für Wissenschaftsstandort Hamburg

Samstag, 8.11.2014, 9:00 – 14:30 Uhr

9:00 – 10:45 Uhr „Sozialökonomische Theorieansätze III“

  • Prof. Dr. Werner Nienhüser (Universität Duisburg-Essen): Sozioökonomische Erklärungsansätze in der Organisationsforschung
  • Prof. Dr. Werner Sesselmeier (Universität Koblenz-Landau)/Dr. Marlen Haupt (MPI für Sozialrecht und Sozialpolitik München)/Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok (Hochschule München): Wohlfahrtsstaatsvergleiche aus sozialökonomischer Perspektive
  • Simon Weingärtner/Stefan Schröder (Universität Jena): Ökonomik oder Soziologik? Zur Theoriefrage in der Arbeitsmarktsoziologie

11:00 – 12:10 Uhr „Sozialökonomische Forschungsfelder“ I

  • Prof. Dr. Stefanie Ernst (Universität Münster): Die Organisation von Diversity: theoretische und empirische Implikationen
  • Prof. Dr. Harry Friebel (ZÖSS): Sozialstrukturelle Kontexte der Weiterbildungsteilnahme im Lebenszusammenhang

12:30 – 14:15 Uhr „Sozialökonomische Forschungsfelder“ II

  • Dr. Peter Bartelheimer (Sofi Göttingen): Szenarien des deutschen Kapitalismusmodells - Mikrofundierung gesamtwirtschaftlicher Modelle im Dritten Bericht zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland
  • Prof. Dr. Ernst Kistler/Markus Holler (INIFES): Gute Arbeit – Eine sozialökonomische Analyse ihrer unzureichenden Realisierung und ihrer Folgen
  • Dr. Hans-Jürgen Urban (IG Metall Vorstand): Gewerkschaftliche Anforderungen an eine realitätsnahe Sozialökonomie

14:15 Zusammenfassung und Verabschiedung (Prof Dr. Arne Heise)


Um Anmeldung bis zum 20.10.2014 wird gebeten: kathrin.deumelandt[at]wiso.uni-hamburg[dot]de